Miyamoto Musashi (宮本武蔵): der Schwertkämpfer als Tuschemaler
Miyamoto Musashi (宮本武蔵, 1584–1645) ist als Schwertkämpfer, Begründer der Zweischwerttechnik Niten Ichi-ryū und Verfasser des Gorin no sho weit über Japan hinaus bekannt. Weniger geläufig ist, dass er zugleich ein ernstzunehmender Tuschemaler war. Als Maler führte er den Künstlernamen Niten (二天), daneben Niten Dōraku. Dass Musashi malte, ist früh bezeugt: Bereits das 1666 – 21 Jahre nach seinem Tod – verfasste Kaijō monogatari berichtet davon.
Die Kumamoto-Jahre 1640 bis 1645
Musashis malerisches Werk entstand nicht über ein Leben verteilt, sondern konzentriert in seinen letzten fünf Lebensjahren, die er in Kumamoto verbrachte. In dieser Zeit trat er kaum noch als Kämpfer auf; Malerei, Schriftstellerei und die Ausarbeitung seiner Lehre fielen zusammen. Musashi durchlief keine Ausbildung in einer der etablierten Malschulen. Seine Bildauffassung entwickelte sich außerhalb jener Schulzusammenhänge, die für die Malerei seiner Zeit sonst bestimmend waren.
Erhaltene Werke: Würger, Kormoran und Bodhidharma
Von den überlieferten Tuschearbeiten sind mehrere heute als Wichtiges Kulturgut eingestuft. Am bekanntesten ist der Würger auf dürrem Ast (枯木鳴鵙図), der sich im Kubosō-Gedächtnismuseum in Izumi befindet: ein Vogel auf einem kahlen, senkrecht aufragenden Ast, gesetzt mit wenigen, entschiedenen Strichen und viel leerem Grund. Ebenfalls als Wichtiges Kulturgut geführt wird die Kormoran-Darstellung (鵜図). Weitere Arbeiten – zwei Bodhidharma-Bilder und eine Darstellung von Wildgänsen im Schilf – liegen in der Sammlung Eisei Bunko, ein Wildpferd in der Sammlung Matsui.
Reduktion als Prinzip: Musashis Suibokuga
Musashis Malerei ist Suibokuga im engsten Sinn: Tusche auf Papier, keine Farbe, kein erzählerisches Beiwerk. Charakteristisch ist die extreme Ökonomie der Mittel – ein Ast, ein Vogel, sonst nichts. Der Strich wird nicht korrigiert und nicht überarbeitet; er sitzt oder er sitzt nicht. Dass diese Malweise gern mit seiner Schwertlehre in Verbindung gebracht wird, liegt nahe, auch wenn Musashi selbst diesen Zusammenhang in seinen Schriften nicht ausformuliert.
Reproduktionen nach Werken in Museumsbesitz
Musashis erhaltene Tuschearbeiten liegen als Wichtiges Kulturgut in japanischen Museen und Sammlungen und erreichen den Handel nicht. Was zugänglich ist, sind Drucke nach diesen Kompositionen sowie Kakemono, die in Anlehnung an seine Motivwelt entstanden — der Würger auf dürrem Ast, der Kormoran, der Vogel auf einem Zweig. Solche Blätter sind an der Rasterung des Drucks oder an der Pinselschrift eines späteren Malers zu erkennen und werden entsprechend beschrieben. Für das Tokonoma haben sie ihren eigenen Reiz: Die Kompositionen leben von wenigen Strichen und viel leerem Grund und wirken deshalb auch im Format der Wiedergabe.