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Wissenswertes

Hagi-Yaki – Die Teeschale, die mit jeder Tasse schöner wird

Feine Craquelé-Glasur, sanfte Farben und eine Patina, die erst mit jahrelangem Gebrauch entsteht: Hagi-yaki gilt als eine der drei besten Teeschalen Japans.
Hagi-Yaki-Teeschale mit charakteristischer Craquelé-Glasur
Auf den Punkt gebracht
Hagi-yaki (萩焼) ist eine japanische Steingut-Keramik aus Hagi, Präfektur Yamaguchi, die 1604 von koreanischen Töpfern unter dem Feudalherrn Mōri Terumoto begründet wurde. Charakteristisch ist eine helle, transluzente Glasur mit feinem Craquelé-Muster (Kannyū), durch das Tee oder Sake über Jahre hinweg langsam in den Ton einzieht und ihn allmählich dunkler färbt – ein Prozess, der als Hagi no Nanabake, die „sieben Wandlungen", bezeichnet wird. Neben Raku- und Karatsu-yaki gilt Hagi-yaki als eine der drei bedeutendsten Teeschalen-Traditionen Japans.

Es gibt Keramik, die vom ersten Tag an perfekt aussieht – und es gibt Hagi-Yaki, deren eigentliche Schönheit erst mit der Zeit entsteht. Eine frisch erworbene Hagi-Teeschale wirkt zunächst zurückhaltend: helle, changierende Glasurtöne, ein feines Netz winziger Risse, eine schlichte Form ohne Bemalung. Doch mit jeder Tasse Tee, die aus ihr getrunken wird, verändert sich die Schale – langsam, unumkehrbar, ganz im Sinne der japanischen Wabi-Sabi-Ästhetik. Kaum eine andere Keramiktradition Japans macht die Vorstellung von Schönheit als Prozess so unmittelbar erlebbar.

Was ist Hagi-Yaki?

Hagi-yaki (萩焼) ist eine traditionelle japanische Steingut-Keramik aus der Stadt Hagi in der Präfektur Yamaguchi im äußersten Westen der Hauptinsel Honshū. Sie ist vor allem für ihre Chawan (Teeschalen) bekannt und gilt neben Raku- und Karatsu-yaki als eine der drei in der Teezeremonie am höchsten geschätzten Keramiktraditionen Japans. Ein japanisches Sprichwort bringt diese Rangordnung auf den Punkt: „Unter allen Teeschalen steht Raku an erster Stelle, Hagi an zweiter und Karatsu an dritter.“ Charakteristisch für Hagi-yaki ist eine helle, transluzente Glasur mit einem feinen Craquelé-Muster, das im Japanischen Kannyū genannt wird.

Von koreanischen Töpfern zum Hof der Mōri

Die Ursprünge von Hagi-yaki liegen, wie bei mehreren anderen japanischen Keramiktraditionen, in den Korea-Feldzügen Toyotomi Hideyoshis Ende des 16. Jahrhunderts. Der Feudalherr Mōri Terumoto brachte im Zuge dieser Feldzüge zwei koreanische Töpferbrüder nach Japan, die 1604 in Matsumoto-Nakanokura nahe Hagi den ersten offiziellen Brennofen der Region errichteten. Einer der Brüder nahm den japanischen Namen Saka Kōraizaemon an, sein Neffe den Namen Yamamura Shinbei; gemeinsam begründeten sie die Hagi-Ofentradition. Das japanische Register der traditionellen Kunsthandwerke hält fest, dass dieser vom Lehnsherrn verliehene Name Saka Kōraizaemon bis heute weitergegeben wird. 1663 errichtete ihr Schüler Miwa Kyūsetsu einen weiteren Ofen in Matsumoto, aus dem später die bis heute bedeutende Miwa-Töpferfamilie hervorging. Die ersten Hagi-Chawan waren noch schlichte Nachbildungen koreanischer Reis- und Teeschalen aus der Joseon-Zeit, die unter japanischen Teemeistern bereits hoch geschätzt wurden.

Ton, Glasur und die Kunst des Kannyū

Für Hagi-yaki wird traditionell eine Mischung mehrerer Tonarten verwendet, deren Zusammensetzung sich von Werkstatt zu Werkstatt unterscheidet. Den größten Anteil bildet meist der 1717 entdeckte, hellgraue Daidō-Ton, ergänzt durch feinere oder eisenhaltigere Tone wie Mitake- oder Mishima-Ton, die für zusätzliche Farbnuancen sorgen. Gebrannt wird das grobe, sandige Material in einem an einen Hang gebauten Kammerofen bei Temperaturen zwischen etwa 1.180 und 1.340 Grad Celsius, wobei die Brenndauer je nach Objektgröße zwischen 14 und 40 Stunden liegt. Das Metropolitan Museum of Art beschreibt Hagi-Ware entsprechend knapp als Steinzeug mit einer Glasur aus Feldspat und Asche. Diese charakteristische, leicht transluzente Glasur schrumpft beim Abkühlen schneller als der darunterliegende Ton – dadurch entsteht das feine Rissnetz namens Kannyū, das dem Hagi-yaki seine unverwechselbare Optik verleiht.

Hagi no Nanabake: die sieben Wandlungen

Genau dieses feine Rissnetz ist es, das Hagi-yaki zu einer Keramik macht, die sich im Gebrauch buchstäblich weiterentwickelt. Weil die Glasur leicht porös ist, dringt Tee oder Sake durch die winzigen Risse langsam in den darunterliegenden Ton ein und färbt ihn über Jahre hinweg allmählich dunkler. Dieser graduelle Farbwandel wird in Japan als Hagi no Nanabake bezeichnet, die „sieben Wandlungen von Hagi“ – ein Ausdruck dafür, dass sich das Erscheinungsbild einer gut genutzten Schale mit der Zeit immer wieder verändert. Diese allmähliche Patina gilt unter Kennern nicht als Abnutzung, sondern als eigentlicher Reifeprozess des Objekts, der Vergänglichkeit und Schönheit im Sinne der Wabi-Sabi-Philosophie miteinander verbindet. Aus diesem Grund widmen manche Sammler eine Hagi-Schale bewusst nur einer einzigen Teesorte, um ein besonders reines und gleichmäßiges Farbbild zu erhalten.

Die Kerbe im Schalenfuß

Ein weiteres charakteristisches Detail vieler Hagi-Chawan ist eine kleine, oft asymmetrische Kerbe im Fußring der Schale, Kirikodai genannt. Zu ihrer Entstehung gibt es mehrere Theorien; am weitesten verbreitet ist die Erklärung, dass Hagi-Keramik während der Edo-Zeit ursprünglich exklusiv dem Lehnsherrn Mōri und dem Shogunat vorbehalten war. Eine kleine, bewusst angebrachte „Beschädigung“ am Fuß erlaubte es Töpfern, Stücke, die diesen strengen Qualitätsanforderungen nicht vollständig entsprachen, regulär an Händler und damit an ein breiteres Publikum zu verkaufen. Andere Erklärungen verweisen auf praktische Gründe, etwa dass die Kerbe das Ansaugen der Schale auf glatten Oberflächen verhindert. Unabhängig von ihrem Ursprung ist die Kerbe heute ein gestalterisches Element, in dem viele Hagi-Töpfer bewusst ihre künstlerische Handschrift zeigen.

Von der Meiji-Krise zur Wiederbelebung im 20. Jahrhundert

Mit der Meiji-Restauration 1868 verloren die Hagi-Töpfer den Schutz und die Aufträge des Lehnshauses Mōri und mussten sich fortan als unabhängige Betriebe behaupten; die Produktion verlagerte sich in der Folge auch in andere Teile der Präfektur Yamaguchi. Eine entscheidende künstlerische Wiederbelebung brachte im 20. Jahrhundert die Töpferfamilie Miwa: Miwa Kyūwa (später Kyūsetsu X.) verfeinerte in den 1930er-Jahren die traditionelle Glasurrezeptur zu einem reineren Weißton, während sein jüngerer Bruder Miwa Jusetsu (Kyūsetsu XI.) mit kraftvollen, aus grobem, sandreichem Ton geformten Oni-Hagi-Chawan neue Akzente setzte. Beide wurden für ihre Verdienste um die Hagi-Keramik 1970 beziehungsweise 1983 vom japanischen Staat als Ningen Kokuhō, als „Lebende Nationalschätze“, ausgezeichnet. Das Metropolitan Museum of Art bewahrt von beiden Arbeiten: einen weißen Hagi-Wasserbehälter von Miwa Kyūwa (1895–1981) und eine Oni-Hagi-Teeschale von Miwa Kyūsetsu XI. (1910–2012).

Hagi-Keramik im Alltag

Auch wenn Hagi-yaki vor allem für seine Chawan berühmt ist, umfasst die moderne Produktion längst auch Vasen, Sakegefäße, Alltagsgeschirr und Wasserbehälter für die Teezeremonie. Bei der Pflege ist Vorsicht geboten: Da die poröse Glasur Flüssigkeiten aufnimmt, sollte auf den Einsatz von Spülmittel möglichst verzichtet werden, da dieses ebenfalls in den Ton einziehen kann. Ein sanftes Reinigen mit klarem Wasser genügt – und ist zugleich die Voraussetzung dafür, dass sich die charakteristische Patina der Nanabake ungestört entwickeln kann.

Weiße und farbige Glasurvarianten

Innerhalb der Hagi-Tradition haben sich über die Jahrhunderte mehrere charakteristische Glasurvarianten entwickelt, deren Bezeichnungen sich an ihrer jeweiligen Farbwirkung orientieren. Shira-Hagi, „weißes Hagi“, beschreibt eine besonders helle, reinweiße Glasurvariante, die maßgeblich von der Töpferfamilie Miwa perfektioniert wurde. Ido-Hagi zeigt dagegen einen wärmeren, gelb-ockerfarbenen Ton, der entsteht, wenn die Aschglasur in oxidierender Atmosphäre gebrannt wird, und gilt unter Kennern als eine der begehrtesten Varianten. Gohonte schließlich bezeichnet ein Muster feiner, meist rosafarbener oder heller Flecken auf grau-beigem Grund, das ursprünglich auf koreanische Bestellkataloge für Teeschalen zurückgeht und bis heute besonders eng mit der Hagi-Tradition assoziiert wird.

Diese Vielfalt an Glasurvarianten macht deutlich, dass Hagi-yaki trotz seiner insgesamt zurückhaltenden, unbemalten Ästhetik ein überraschend breites Spektrum an Farbnuancen und Texturen bietet – ein Reichtum, der sich erst bei genauerer Betrachtung und im direkten Vergleich mehrerer Stücke vollständig erschließt.

Bei densho.art finden Sie handgefertigte japanische Teeschalen und Keramik-Unikate, die diese besondere Eigenschaft der Hagi-Tradition erlebbar machen – jedes Stück einzeln aus Japan bezogen, bereit, mit der Zeit und dem täglichen Gebrauch seine ganz eigene Geschichte zu entwickeln. Wer Hagi Keramik kaufen oder eine Chawan kaufen möchte, die mit der Zeit sichtbar reift, wird in unserer Auswahl an japanischen Teeschalen fündig.

Quellen und Literatur

Traditional Crafts Aoyama Square (japanisches Register der traditionellen Kunsthandwerke): HAGI Yaki (Pottery), kougeihin.jp.

The Metropolitan Museum of Art: White Hagi Water Jar (Mizusashi), Acc.-Nr. 2016.509a, b, metmuseum.org.

The Metropolitan Museum of Art: Oni (Devil) Hagi Teabowl, Acc.-Nr. 2015.508, metmuseum.org.

Richard L. Wilson: Inside Japanese Ceramics. A Primer of Materials, Techniques, and Traditions. Weatherhill, New York 1995.

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