Shigaraki-Yaki – Der Ton vom Grund des Biwa-Sees
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Manche Keramiktraditionen verdanken ihre Existenz einem geologischen Zufall, der Jahrmillionen zurückliegt. Shigaraki-yaki ist eine davon: Der Ton, aus dem diese robuste, unglasierte Steinzeug-Keramik entsteht, stammt aus den Sedimentschichten eines urzeitlichen Vorläufers des heutigen Biwa-Sees – reich an Feldspat, grobkörnig und von einer Textur, die an Granit erinnert. Wer eine Shigaraki-Vase oder -Schale in den Händen hält, spürt genau das: eine erdige, fast steinige Rauheit, die keine andere japanische Keramik in dieser Form besitzt.
Was ist Shigaraki-Yaki?
Shigaraki-yaki (信楽焼) ist eine traditionelle, unglasierte japanische Steinzeug-Keramik aus der Region um die Stadt Kōka in der Präfektur Shiga, östlich des Biwa-Sees. Sie zählt zu den Six Ancient Kilns (Rokkoyo), den sechs traditionsreichsten Töpferzentren Japans, zu denen neben Shigaraki auch Bizen, Seto, Tokoname, Echizen und Tamba gehören. Wie Bizen wird Shigaraki-yaki in der Yakishime-Technik gebrannt – einem Hochtemperaturbrand ohne aufgetragene Glasur, bei dem die charakteristische Farbigkeit aus dem Zusammenspiel von Ton, Flamme und Asche entsteht. Daneben entstehen in der Region auch glasierte und bemalte Stücke; der Ruf Shigarakis gründet aber auf der unglasierten Ware.
Ein Ton mit geologischer Geschichte
Was Shigaraki-Ton so besonders macht, ist seine Herkunft: Er stammt aus Ablagerungen des sogenannten Ur-Biwa-Sees, eines Vorläufergewässers des heutigen Biwa-Sees, das sich über Jahrmillionen allmählich nach Norden verschoben hat und dabei mächtige Sedimentschichten in der Region um Shigaraki zurückließ. Das Japan-Heritage-Konsortium der sechs Töpferstädte führt die Entstehung der Shigaraki-Keramik ausdrücklich auf diese Ablagerungen der Ur-Biwa-Formation zurück, die sich zwischen etwa vier Millionen und 400.000 Jahren vor heute bildeten. Das Japan-Heritage-Konsortium der sechs Töpferstädte führt die Entstehung der Shigaraki-Keramik ausdrücklich auf diese Ablagerungen der Ur-Biwa-Formation zurück, die sich zwischen etwa vier Millionen und 400.000 Jahren vor heute bildeten. Das Japan-Heritage-Konsortium der sechs Töpferstädte führt die Entstehung der Shigaraki-Keramik ausdrücklich auf diese Ablagerungen der Ur-Biwa-Formation zurück, die sich zwischen etwa vier Millionen und 400.000 Jahren vor heute bildeten. Dieser Ton ist reich an Feldspat und enthält oft grobe Quarzeinschlüsse, die dem gebrannten Material seine charakteristische raue, körnige Oberfläche verleihen. Gleichzeitig ist der Ton außergewöhnlich hitzebeständig und formstabil, weshalb er sich seit jeher besonders gut für großformatige Objekte eignet – von Vorratsgefäßen und Kohlebecken bis zu großen Pflanzgefäßen.
Von der Kamakura-Zeit bis zur Teezeremonie
Die Ursprünge der Shigaraki-Keramik reichen bis in die zweite Hälfte der Kamakura-Zeit (1185–1333) zurück, als in der Region zunächst grobe Gebrauchskeramik wie Vorratstöpfe und Mörser für den landwirtschaftlichen Alltag hergestellt wurde. Mit dem Aufblühen der Teezeremonie im 16. Jahrhundert entdeckten Teemeister die raue, ungeschönte Textur der Shigaraki-Keramik für sich: Ihre unregelmäßige, erdige Wirkung passte ideal zur aufkommenden Wabi-Sabi-Ästhetik, die bewusst mit der Perfektion glatter, glasierter Importware brach. So entstanden neben Alltagsgefäßen zunehmend auch Teeutensilien wie Wasserbehälter (Mizusashi) und Blumenvasen im Shigaraki-Stil. Beide Etappen lassen sich im Metropolitan Museum of Art nebeneinander betrachten: ein großes Vorratsgefäß aus dem späten 15. Jahrhundert und ein Mizusashi in Eimerform aus dem 16. Jahrhundert, beide als Steinzeug mit natürlicher Aschglasur verzeichnet. Beide Etappen lassen sich im Metropolitan Museum of Art nebeneinander betrachten: ein großes Vorratsgefäß aus dem späten 15. Jahrhundert und ein Mizusashi in Eimerform aus dem 16. Jahrhundert, beide als Steinzeug mit natürlicher Aschglasur verzeichnet. Beide Etappen lassen sich im Metropolitan Museum of Art nebeneinander betrachten: ein großes Vorratsgefäß aus dem späten 15. Jahrhundert und ein Mizusashi in Eimerform aus dem 16. Jahrhundert, beide als Steinzeug mit natürlicher Aschglasur verzeichnet.
Yōhen: die Sprache des Feuers
Wie bei anderen Yakishime-Traditionen entsteht die eigentliche Schönheit eines Shigaraki-Stücks erst im Ofen. Beim Brand bei Temperaturen zwischen etwa 1.250 und 1.300 Grad Celsius verbinden sich Alkali- und Kalkbestandteile der Holzasche mit der Kieselsäure des Tons zu einer natürlichen Glasschicht – der sogenannten natürlichen Aschglasur. Je nach Position im Ofen, Nähe zur Flamme und Sauerstoffzufuhr entstehen dabei unterschiedlichste Effekte: von einem leuchtenden Feuerrot über bläulich-graue Verfärbungen bis zu kleinen, perlenartigen Erhebungen, die im Japanischen anschaulich als „Krabbenaugen“ (Kani no me) oder „Hagelkörner“ (Arare) bezeichnet werden. Diese als Yōhen bekannten Brenneffekte machen, wie bei Bizen-yaki, jedes Stück zu einem nicht reproduzierbaren Unikat.
Die Tanuki-Figuren von Shigaraki
Kaum ein Bild ist untrennbarer mit Shigaraki verbunden als die kleinen, rundlichen Tanuki-Figuren – stilisierte Marderhunde mit Strohhut, Sakeflasche und rundem Bauch, die vor Geschäften, Restaurants und Häusern in ganz Japan als Glücksbringer aufgestellt werden. Diese volkstümliche Tradition entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert, gilt inzwischen aber als eines der bekanntesten Erkennungszeichen der Shigaraki-Keramik überhaupt und zeigt, wie sich eine jahrhundertealte handwerkliche Tradition auch mit populären, humorvollen Motiven weiterentwickeln kann, ohne ihre technischen Grundlagen zu verlieren.
Wiederentdeckung im 20. Jahrhundert
Wie viele andere unglasierte Keramiktraditionen geriet auch Shigaraki-yaki im Zuge der Industrialisierung zunehmend unter Druck. Ein bedeutender Impuls zur Wiederbelebung der historischen Momoyama-Ästhetik kam in den 1930er-Jahren durch einen Fund am alten Brennofenplatz Mutagahora in der Präfektur Gifu, der das Verständnis der historischen Keramikproduktion jener Zeit grundlegend erweiterte; das Victoria and Albert Museum datiert diese Spurensuche des Töpfers Arakawa Toyozō auf das Jahr 1930. Inspiriert davon widmeten sich auch Shigaraki-Töpfer wie Takahashi Rakusai III. und Ueda Naokata IV. der Rekonstruktion der alten, hochgebrannten Momoyama-Stücke und trugen so maßgeblich zur Renaissance der traditionellen Shigaraki-Ästhetik im 20. Jahrhundert bei.
Shigaraki-Keramik im Alltag
Neben den bekannten Tanuki-Figuren und großformatigen Gartenobjekten produziert Shigaraki heute ein breites Spektrum an Gebrauchskeramik: Vasen, Teeutensilien, Sakegefäße und Geschirr für den täglichen Gebrauch. Gerade als Vase wird die poröse, unglasierte Oberfläche geschätzt, da sie Feuchtigkeit anders reguliert als glasierte Gefäße und Schnittblumen dadurch oft länger frisch hält. Wer ein handgefertigtes Original erkennen möchte, sollte auf die charakteristische, nie ganz gleichmäßige Körnung der Oberfläche und individuelle Brennspuren achten, die sich bei keinem industriell gefertigten Stück wiederholen lassen.
Von der Schutzgottheit zum internationalen Glücksbringer
Die Entstehung der berühmten Shigaraki-Tanuki-Figuren lässt sich bis in die 1950er-Jahre zurückverfolgen, als der Töpfer Fujiwara Teiichi den bis heute charakteristischen, rundlichen Stil der Figuren maßgeblich prägte. Ein entscheidender Popularitätsschub gelang den Figuren, als der japanische Kaiser Hirohito bei einem Besuch der Region 1951 öffentlich seine Begeisterung für die kleinen Marderhundfiguren zum Ausdruck brachte – ein Ereignis, das die Tanuki-Figuren landesweit bekannt machte und ihre Verbreitung als Glücksbringer vor Geschäften und Restaurants im ganzen Land maßgeblich beschleunigte. Bis heute gilt der Tanuki mit seinem großen Bauch, dem Strohhut und der Sakeflasche als eines der unverwechselbarsten Symbole der Region Shigaraki und wird gleichermaßen als humorvolles Alltagsobjekt wie als ernstzunehmendes Kunsthandwerk geschätzt.
Über die volkstümliche Tanuki-Tradition hinaus bleibt Shigaraki jedoch vor allem für ernsthafte Kenner japanischer Keramik ein bedeutender Anlaufpunkt: Zahlreiche zeitgenössische Töpfer führen in der Region bis heute die jahrhundertealte Yakishime-Brenntechnik fort und verbinden dabei traditionelles Handwerk mit eigenständiger künstlerischer Formensprache. Der Shigaraki Ceramic Cultural Park dokumentiert diese lange Entwicklungslinie von den frühesten landwirtschaftlichen Gebrauchsgefäßen bis zur zeitgenössischen Keramikkunst und zieht damit sowohl Fachpublikum als auch interessierte Laien gleichermaßen an. Diese Kombination aus volkstümlicher Bekanntheit durch die Tanuki-Figuren und fachlicher Tiefe macht Shigaraki zu einer der zugänglichsten, aber zugleich anspruchsvollsten Keramikregionen Japans.
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Quellen und Literatur
Japan-Heritage-Konsortium der sechs Töpferstädte: The Six Ancient Kilns – About us, en.sixancientkilns.jp.
The Metropolitan Museum of Art: Pail-shaped freshwater jar (Onioke mizusashi), Acc.-Nr. 2015.300.273a, b, metmuseum.org.
The Metropolitan Museum of Art: Large Storage Jar (Ōtsubo), Acc.-Nr. 1975.268.428, metmuseum.org.
Louise Allison Cort: Shigaraki, Potters' Valley. Kodansha International, Tokio/New York/San Francisco 1979.
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