Hashimoto Gyōin (橋本凝胤): Abt des Yakushi-ji
Hashimoto Gyōin (橋本凝胤, 1897–1978) war ein japanischer buddhistischer Mönch, Gelehrter und Kalligraf. Von 1939 bis 1967 amtierte er als Abt des Yakushi-ji in Nara und stand zugleich der Hossō-Schule vor – einer der ältesten buddhistischen Richtungen Japans, die auf die Nara-Zeit zurückgeht und mit dem Zen nichts zu tun hat. Wer eine Kalligrafie Gyōins vor sich hat, hat es also nicht mit Zen-Bokuseki im engeren Sinn zu tun, sondern mit der Schrift eines Gelehrtenmönchs der alten Nara-Schulen.
Nicht zu verwechseln mit Hashimoto Gahō
Der Familienname führt gelegentlich in die Irre: Hashimoto Gahō war ein Nihonga-Maler des 19. Jahrhunderts und hat mit dem Abt des Yakushi-ji nichts zu tun. Die Schriftzeichen unterscheiden sich deutlich – 凝胤 gegenüber 雅邦.
Gelehrter, Reisender, Streitfigur
Gyōin wirkte an der Zusammenstellung des Taishō-Kanons mit, der bis heute maßgeblichen Ausgabe der chinesischen buddhistischen Schriften, und unternahm ausgedehnte Reisen nach China und Tibet. Seine Verbindungen in Politik und Wirtschaft setzte er für buddhistische Anliegen ein, unter anderem für die Erhaltung der Palastanlage von Heijō in Nara. Zeitlebens hielt er an der strengen Ordensregel fest und lebte ohne Fleisch und ohne Heirat. Seine Unbeugsamkeit trug ihm den Beinamen seltsamer Mönch der Shōwa-Zeit ein. Sein Schüler Takada Kōin trat 1967 seine Nachfolge an.
Shoaku Makusa: ein Vers als Bildinhalt
Zu den Wendungen, die auf solchen Rollbildern erscheinen, gehört Shoaku Makusa – tue nichts Böses. Es ist der Anfang eines Verses, der die buddhistische Lehre in vier Zeilen zusammenfasst und schon in den ältesten Texten überliefert ist. In der Kalligrafie wird daraus ein Bild: Die Zeichen stehen auf der Fläche, und ihre Anordnung, ihr Abstand und der Wechsel von dichter zu auslaufender Tusche machen aus der Formel etwas Anschaubares. Solche Rollen hängen nicht nur im Teeraum, sondern auch im Wohnraum und im Tempelgebäude.