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Wissenswertes

Arita-Yaki – Die Geburtsstunde des japanischen Porzellans

1616 in Arita entdeckt: Wie ein Kaolinfund auf Kyūshū den Beginn der japanischen Porzellankunst einläutete – und Europas Fürstenhöfe verzauberte.
Arita-Yaki-Teller mit floralem Vogelmotiv im Imari-Stil
Auf den Punkt gebracht
Arita-yaki (有田焼) ist japanisches Hartporzellan aus der Region um Arita in der Präfektur Saga auf Kyūshū und gilt als das erste in Japan hergestellte Porzellan. Grundlage war die Entdeckung von Kaolin am Izumiyama-Hügel im Jahr 1616 durch den koreanischen Töpfer Yi Sam-pyeong. Ab Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Arita-Porzellan über den Hafen Imari nach Europa exportiert, weshalb es dort auch als Imari-Porzellan bekannt wurde. Bekannte Stilrichtungen sind Ko-Arita, der feine Kakiemon-Stil und das höfische Iro-Nabeshima-Porzellan.

Es gibt einen Moment in der japanischen Keramikgeschichte, der sich exakt datieren lässt: das Jahr 1616. Während in Bizen, Shigaraki oder Seto Töpfertraditionen bereits seit Jahrhunderten gewachsen waren, begann die Geschichte des japanischen Porzellans mit einer einzigen Entdeckung – einem Kaolinvorkommen am Hügel Izumiyama nahe der Stadt Arita auf der Insel Kyūshū. Was folgte, war der rasante Aufstieg einer Keramiktradition, die binnen weniger Jahrzehnte nicht nur Japan, sondern auch die Fürstenhöfe Europas erobern sollte.

Was ist Arita-Yaki?

Arita-yaki (有田焼) bezeichnet japanisches Hartporzellan aus der Region um die Stadt Arita in der Präfektur Saga im Norden der Insel Kyūshū. Es gilt als das erste in Japan hergestellte Porzellan und bildet bis heute eines der bedeutendsten Zentren japanischer Porzellankunst. Charakteristisch ist die Verwendung von feinem, weißem Kaolin-Ton, der bei sehr hohen Temperaturen von etwa 1.300 Grad Celsius gebrannt wird und eine harte, glatte, oft leicht durchscheinende Oberfläche ergibt – ein deutlicher Kontrast zu den erdigen Steinzeugtraditionen wie Bizen oder Shigaraki.

Ein koreanischer Töpfer und der Beginn einer Ära

Die Ursprünge von Arita-yaki sind eng mit den japanischen Korea-Feldzügen unter Toyotomi Hideyoshi Ende des 16. Jahrhunderts verknüpft. Im Zuge dieser Kriege wurden zahlreiche koreanische Handwerker, darunter erfahrene Töpfer, nach Japan gebracht. Einer von ihnen, der als Yi Sam-pyeong (japanisch: Ri Sanpei) bekannte Töpfer, entdeckte 1616 am Izumiyama-Hügel bei Arita hochwertiges Kaolin – das für die Porzellanherstellung notwendige weiße Mineral. Mit dieser Entdeckung endete ein jahrhundertealtes ostasiatisches Monopol Chinas auf die Porzellanherstellung, und Arita wurde zum ersten Ort Japans, an dem echtes Hartporzellan gebrannt werden konnte.

Aufstieg zur Weltmarke: der Handel über den Hafen Imari

Rasch entstanden rund um Arita zahlreiche große Brennöfen, und die Produktion wuchs beträchtlich. Da China durch die politischen Wirren beim Übergang von der Ming- zur Qing-Dynastie um die Mitte des 17. Jahrhunderts kaum noch exportfähig war, suchte die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) nach einer Alternative – und wurde in Arita fündig. Ab 1659 wurden große Mengen Arita-Porzellan über den nahegelegenen Hafen Imari nach Nagasaki und von dort nach Europa verschifft. Weil die Waren unter dem Namen ihres Verschiffungshafens gehandelt wurden, setzte sich im Westen der Name Imari-Porzellan durch – ein Umstand, der bis heute für Verwirrung sorgt, da Arita-yaki und Imari-yaki im Kern dieselbe Herkunftsregion beschreiben, historisch aber unterschiedliche Aspekte betonen: Arita die Herstellungsregion, Imari den Handelsweg. Diese Doppelbenennung hat sich bis in die Museumskataloge gehalten: Das Metropolitan Museum of Art führt Stücke desselben Ofenraums je nach Dekor als „Arita ware, Imari type“ oder als „Hizen ware, Arita type“.

Stilvielfalt: von Ko-Arita bis Kakiemon

Im Laufe der Jahrhunderte entwickelten sich in Arita mehrere unterschiedliche Maltraditionen. Ko-Arita, das „alte Arita“, entstand im frühen 17. Jahrhundert und zeichnet sich durch kräftiges Kobaltblau auf weißem Grund aus, oft ergänzt durch Landschafts- und Naturmotive. Mitte des 17. Jahrhunderts entwickelte der Töpfer Sakaida Kakiemon einen eigenen, deutlich zurückhaltenderen Stil: eine feine Farbpalette aus Persimonen-Orange, Gelb, Türkis und Blau auf großzügig freigelassenem weißem Untergrund, häufig mit asymmetrischen Naturmotiven. Der Kakiemon-Stil wird von den Nachfahren des Töpfers bis heute fortgeführt und beeinflusste maßgeblich europäische Porzellanmanufakturen wie Meißen; das Metropolitan Museum of Art führt Stücke dieser Gruppe als „Arita ware; Kakiemon type“ und beschreibt sie als Porzellan mit Kobaltblau unter und farbigen Emailfarben über transparenter Glasur. Parallel entstand der Iro-Nabeshima-Stil, benannt nach dem Fürstenhaus Nabeshima, auf dessen Gebiet sich die Kaolinvorkommen und Manufakturen befanden. Nabeshima-Porzellan wurde ursprünglich ausschließlich für den höfischen Gebrauch gefertigt und gilt bis heute als eine der technisch anspruchsvollsten Ausprägungen von Arita-yaki.

Herstellung: vom Steinbruch zum fertigen Stück

Die Herstellung von Arita-Porzellan ist ein vielstufiger Prozess. Zunächst wird das Kaolin-Gestein zu feinem Pulver zermahlen und mit Wasser zu formbarem Ton verarbeitet. Nach dem Formen auf der Töpferscheibe oder in Gussformen folgt ein erster Brand bei niedrigerer Temperatur, der sogenannte Schrühbrand, der dem Rohkörper Festigkeit verleiht. Anschließend wird das Stück von Hand bemalt – meist mit feinen Pinseln und mineralischen Pigmenten, wobei die Kobaltblau-Malerei traditionell vor der Glasur, farbige Aufglasurmalerei dagegen nach einem ersten Glasurbrand aufgetragen wird. Ein zweiter Brand bei rund 1.300 Grad Celsius fixiert schließlich die Farben und verschmilzt sie dauerhaft mit der Glasur. Diese aufwendige, oft über mehrere Wochen verteilte Handarbeit erklärt, warum hochwertiges Arita-Porzellan bis heute in erster Linie in kleinen Manufakturen und nicht in industrieller Massenfertigung entsteht.

Auf- und Abschwung über die Jahrhunderte

Der große Exporterfolg des 17. und frühen 18. Jahrhunderts endete, als China seine eigene Porzellanproduktion nach den innenpolitischen Wirren wieder aufnahm und die europäische Nachfrage nach japanischer Ware zurückging; die Ausfuhr über Imari nach Europa kam bis Mitte des 18. Jahrhunderts weitgehend zum Erliegen. Erst mit der Öffnung Japans in der Meiji-Zeit (1868–1912) und der weltweiten Begeisterung für japanische Kunst, dem sogenannten Japonismus, erlebte Arita-Porzellan eine zweite Blüte und fand erneut seinen Weg auf internationale Ausstellungen und in europäische Sammlungen. Bis heute wird die Tradition in Arita von zahlreichen, teils seit Jahrhunderten bestehenden Manufakturen fortgeführt.

Arita-Porzellan im Alltag und als Sammlerstück

Auch wenn Arita-yaki heute vor allem mit kunstvoll bemalten Ausstellungsstücken assoziiert wird, war und ist die praktische Verwendung als Tafelgeschirr – Teller, Schalen, Tassen, Vasen – ein zentraler Bestandteil der Tradition. Gerade diese Verbindung aus alltäglicher Nutzbarkeit und kunsthandwerklicher Finesse macht Arita-Porzellan bis heute so besonders: Ein handbemaltes Original unterscheidet sich von industriell bedrucktem Geschirr durch die feinen, minimal unregelmäßigen Pinselstriche, die charakteristische Tiefe der Unterglasurfarben und häufig eine Manufaktur- oder Künstlersignatur am Boden des Stücks.

Arita heute: Zwischen Tradition und Innovation

Die Stadt Arita selbst ist bis heute untrennbar mit ihrer Porzellantradition verbunden. Im historischen Ortskern reihen sich zahlreiche, teils seit Jahrhunderten bestehende Manufakturen und Fachgeschäfte aneinander, während sich die eigentlichen Werkstätten traditionell in den rückwärtigen Gassen der Stadt befinden – ein Umstand, der historisch auch dem Schutz betriebsinterner Techniken vor Konkurrenten diente. Noch heute lassen sich an den charakteristischen Mauern aus alten Ziegelsteinen und Porzellanscherben Spuren dieser jahrhundertealten Handwerksgeschichte ablesen. Alljährlich findet Ende April bis Anfang Mai das Arita-Porzellanfest statt, eines der größten Keramikfeste Japans, das internationale Besucher ebenso anzieht wie einheimische Sammler.

Die Städtepartnerschaft zwischen Arita und der deutschen Porzellanstadt Meißen, die seit 1979 besteht, verweist zudem auf eine historische Verbindung, die bis in die frühe Neuzeit zurückreicht: Bereits im 18. Jahrhundert ließen sich europäische Porzellanmanufakturen von japanischen Vorbildern aus Arita inspirieren, lange bevor in Europa selbst die Technik der Hartporzellanherstellung entdeckt wurde. Diese wechselseitige künstlerische Befruchtung zwischen Ost und West lässt sich bis heute im Kyūshū-Keramikmuseum in Arita nachvollziehen, das eine umfassende Sammlung historischer wie zeitgenössischer Stücke zeigt.

Bei densho.art finden Sie handgefertigte japanische Keramik-Unikate, die diese jahrhundertealte Porzellantradition erlebbar machen – jedes Stück einzeln aus Japan bezogen. Wer japanische Keramik kaufen möchte, findet in unserer Auswahl handgefertigte Arita-Stücke, an denen sich diese Handwerkskunst bis heute in Form, Farbe und Motiv zeigt.

Quellen und Literatur

The Metropolitan Museum of Art: Tureen with rocks, flowers, and birds, Acc.-Nr. 1975.268.526a, b, metmuseum.org.

The Metropolitan Museum of Art: Gourd-Shaped Sake Bottle (Tokkuri) with Carved Floral Design and Jewel, Acc.-Nr. 79.2.805, metmuseum.org.

The Metropolitan Museum of Art: Vase in Trumpet Shape, Acc.-Nr. 23.225.120, metmuseum.org.

Nicole Coolidge Rousmaniere: Vessels of Influence. China and the Birth of Porcelain in Medieval and Early Modern Japan. Bristol Classical Press, London 2012.

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