Shibata Zeshin (柴田是真): Lackkünstler und Maler zwischen Edo und Meiji
Shibata Zeshin (柴田是真, 1807–1891) war ein japanischer Lackkünstler (Shikkōka) und Maler. Sein Wirken umspannt die späte Edo- und die Meiji-Zeit – eine Umbruchphase, in der viele traditionelle Kunsthandwerke ihre Auftraggeber und ihren gesellschaftlichen Ort verloren. Zeshin gehört zu den wenigen, die diesen Übergang nicht nur überstanden, sondern künstlerisch für sich nutzten. Er wurde 1807 in Edo geboren, im Viertel Tachibana-chō bei Ryōgoku, das heute zum Bezirk Chūō von Tōkyō gehört.
Ausbildung in Maki-e und Shijō-Malerei: Zeshins Weg zum Doppeltalent
Mit elf Jahren trat Zeshin 1817 in die Lehre bei Koma Kansai dem Ersten ein und erlernte Maki-e, die Streubild-Lackarbeit mit Gold- und Silberpulver. Mit sechzehn nahm er zusätzlich Malunterricht bei Suzuki Nanrei, einem Vertreter der Shijō-Schule. Dass ein Lackhandwerker zugleich als Maler ausgebildet wurde, war unüblich und wurde zur Grundlage seines Werks. Auf Nanreis Rat verbrachte er 1830/31 einen Studienaufenthalt in Kyōto, wo er bei Okamoto Toyohiko weiterlernte und klassische Bildung erhielt.
Urushi-e und wiederbelebte Lacktechniken
Zeshins Rang beruht wesentlich auf seiner Arbeit am Material. Er belebte in Vergessenheit geratene Verfahren wieder, darunter das Seigaiha-nuri (青海波塗) mit seinem Wellenmuster, und entwickelte eigene Lacktechniken: Seidō-nuri (青銅塗), das Bronze imitiert, Shibuichi-nuri (四分一塗) und Tetsusabi-nuri (鉄錆塗), das die Anmutung von Rosteisen erzeugt.
Charakteristisch ist sein Urushi-e – die Malerei mit Lack anstelle von Tusche oder Farbpigment. Lack trocknet anders als Tusche, verzeiht keine Korrektur und verlangt eine völlig andere Pinselführung; als Bildträger dienten unter anderem Papier und Seide. In dieser technisch besonders anspruchsvollen Gattung gilt Zeshin als unübertroffen.
Weltausstellung Wien, Kaiserpalast und die Ernennung zum Teishitsu Gigeiin
Auf der Wiener Weltausstellung 1873 erhielt Zeshin für die Lacktafel Fuji von Tago-no-ura (富士田子浦蒔絵額面) eine Fortschrittsmedaille – ein früher Beleg dafür, wie japanisches Kunsthandwerk in Europa wahrgenommen wurde. 1886 war er an der Ausstattung des Kaiserpalasts mit Wandbildern beteiligt. 1890 wurde er zum Teishitsu Gigeiin (帝室技芸員) ernannt, zum kaiserlichen Hofkünstler; diese Auszeichnung wurde zu seinen Lebzeiten nur einem kleinen Kreis zuteil. Er starb 1891.
Seine Bildwelt blieb dabei der Shijō-Schule verpflichtet: genaue Naturbeobachtung, sparsame Mittel, ein Zug ins Humorvolle. Häufig sind Insekten, Gräser, Jahreszeitenpflanzen und Alltagsgegenstände – Motive, die er sowohl auf Papier und Seide als auch auf Lackgrund ausführte.
Urushi-e: Malerei mit Lack erkennen
Lack verhält sich anders als Tusche, und das bleibt am fertigen Bild sichtbar. Er trocknet langsam und in der Tiefe, liegt dichter auf dem Träger und bringt einen eigenen, leicht öligen Glanz mit; die weichen Ausläufer, die ein tuschegetränkter Pinsel hinterlässt, fehlen ihm. Korrigieren lässt sich nichts — jeder Zug sitzt beim ersten Mal. Wer ein japanisches Rollbild kaufen möchte und dabei auf ein Urushi-e stößt, sollte die Detailaufnahmen bei streifendem Licht betrachten: Dort zeigt sich der Unterschied zwischen Lack und Farbe am deutlichsten. Die Gattung ist selten geblieben, weil sie sowohl das Handwerk des Lackierers als auch die Hand des Malers verlangt.