Zum Hauptinhalt springen Zur Suche springen Zur Hauptnavigation springen
Wissenswertes

Die Sieben Glücksgötter – Ein Schatzschiff voller Wünsche

Ebisu, Daikoku, Benten und vier weitere: Die Shichifukujin reisen der Legende nach zu Neujahr auf ihrem Schatzschiff Takarabune zu den Menschen.
Die Sieben Glücksgötter (Shichifukujin) auf dem Schatzschiff Takarabune
Auf den Punkt gebracht
Die Sieben Glücksgötter, Shichifukujin (七福神), sind eine Gruppe glücksbringender Gottheiten der japanischen Volksreligion, die aus Shintō, Hinduismus/Buddhismus und chinesischem Taoismus stammen: Ebisu, Daikokuten, Bishamonten, Benzaiten, Fukurokuju, Jurōjin und Hotei. Die Gruppe entstand vermutlich gegen Ende der Muromachi-Zeit (1333–1573) in Kyōto. Der Legende nach reisen die sieben Götter zu Neujahr auf ihrem Schatzschiff Takarabune zu den Menschen; bis heute pilgern viele Japaner im Januar zu den sieben ihnen gewidmeten Tempeln und Schreinen (Shichifukujin-Meguri).

Wenn in Japan zu Neujahr ein kleines, bauchiges Boot mit prall gefülltem Segel auf Grußkarten und Rollbildern erscheint, an Bord sieben ungleiche, teils tanzende, teils lachende Gestalten, dann handelt es sich um eines der beliebtesten Bildmotive der japanischen Kultur: die Shichifukujin, die Sieben Glücksgötter. Kaum ein anderes Symbol vereint so viel kulturelle Vielfalt auf so kleinem Raum – denn diese sieben Götter stammen aus drei völlig unterschiedlichen religiösen Traditionen und wurden erst im Laufe der japanischen Geschichte zu einem gemeinsamen, harmonischen Ensemble zusammengefügt.

Was sind die Shichifukujin?

Die Sieben Glücksgötter, japanisch Shichifukujin (七福神), sind eine Gruppe von sieben Gottheiten der japanischen Volksreligion, die gemeinsam Glück, Wohlstand und ein erfülltes Leben verheißen. Bemerkenswert an dieser Götterversammlung ist ihre Herkunft: Nur einer der sieben, Ebisu, ist rein japanisch-shintoistischen Ursprungs. Drei weitere – Benzaiten, Bishamonten und Daikokuten – stammen ursprünglich aus dem indischen Hinduismus beziehungsweise Buddhismus, während Fukurokuju, Hotei und Jurōjin ihre Wurzeln im chinesischen Taoismus und Buddhismus haben. Diese Zusammensetzung macht die Shichifukujin zu einem anschaulichen Beispiel für den religiösen Synkretismus, der die japanische Kultur seit Jahrhunderten prägt.

Eine späte Zusammenstellung

Obwohl jeder der sieben Götter für sich genommen bereits deutlich älter ist, wurden sie der Überlieferung nach erst gegen Ende der Muromachi-Zeit (1333–1573) in Kyōto zu einer gemeinsamen Gruppe zusammengeschlossen – vermutlich beeinflusst durch die aus China bekannte Erzählung der „Sieben Weisen des Bambushains“ sowie durch das buddhistische Sutra „Shichinan Sokumetsu Shichifuku Sokushō“, das übersetzt etwa „Sieben Sorgen werden sofort verschwinden, sieben Glücksfälle werden entstehen“ bedeutet. Einer weiteren Überlieferung zufolge soll der buddhistische Priester Tenkai, spiritueller Berater des Shōgun Tokugawa Iemitsu, die Gruppe später systematisiert und jedem der sieben Götter eine der sieben vollkommenen Tugenden zugeordnet haben: Wohlwollen, Gerechtigkeit, materiellen Wohlstand, Großzügigkeit, Ruhm, Langlebigkeit und Würde.

Die sieben Götter im Einzelnen

Ebisu, der einzige genuin japanische unter den sieben Göttern, gilt als Gott des Wohlstands, des Handels und der Fischer; er wird meist mit einer Angel und einer großen roten Meerbrasse dargestellt und ist bei Ladenbesitzern und Gewerbetreibenden besonders populär. Daikokuten, ursprünglich eine furchteinflößende indische Kriegsgottheit, wandelte sich in Japan zum Gott des Wohlstands, der Landwirtschaft und des Handels; sein charakteristisches Attribut ist ein magischer Hammer, mit dem er der Legende nach überall dort, wo er zuschlägt, Wohlstand verbreitet, und er wird häufig auf Reissäcken stehend, begleitet von Ratten, dargestellt. Bishamonten, ebenfalls indischen Ursprungs, ist der Gott der Krieger und Beschützer, dargestellt in Rüstung mit Speer und einer kleinen Pagode als Symbol des buddhistischen Schatzhauses. Benzaiten, meist kurz Benten genannt, ist die einzige weibliche Gottheit der Gruppe und geht auf die hinduistische Flussgöttin Sarasvati zurück; in Japan gilt sie als Göttin der Künste, der Musik, der Beredsamkeit und des Wassers und wird meist mit einer Biwa-Laute dargestellt.

Fukurokuju, eine taoistische Gottheit chinesischen Ursprungs, ist an seiner außergewöhnlich hohen Stirn erkennbar, die große Weisheit symbolisiert, und steht für Glück, Wohlstand und langes Leben. Jurōjin, ebenfalls aus der chinesischen Tradition stammend, gilt als Gott der Langlebigkeit und wird oft in Begleitung eines Hirschs dargestellt. Hotei schließlich, der rundliche, stets lächelnde „lachende Buddha“, steht für Zufriedenheit und Überfluss; sein großer Stoffsack, in dem er der Legende nach Geschenke für Kinder trägt, macht ihn zu einer der volkstümlichsten und am häufigsten dargestellten Figuren der Gruppe.

Das Schatzschiff Takarabune

Der bekanntesten Legende zufolge verwandeln sich die sieben Götter zu Neujahr in Kaufleute und reisen gemeinsam auf einem kleinen, gedrungenen Boot mit prall gefülltem Segel, dem Takarabune, „Schatzschiff“, auf die Erde, um den Menschen Glück zu bringen. An Bord tragen sie zahlreiche Glücksbringer bei sich, deren genaue Zusammensetzung je nach Überlieferung variiert – häufig genannt werden ein unerschöpflicher Geldbeutel, ein unsichtbar machender Hut, ein glücksbringender Regenmantel sowie ein hölzerner Hammer des Reichtums. In der Neujahrsnacht ist es in Japan bis heute verbreiteter Brauch, ein Bild des Schatzschiffs unter das Kopfkissen zu legen, in der Hoffnung, dadurch einen besonders glücksverheißenden Traum zu erhalten – etwa vom Berg Fuji, einem Falken oder einer Aubergine. Wie geläufig das Schiff als Motiv war, zeigt sich noch im Kleinsten: Metropolitan Museum of Art führt mehrere Netsuke des 19. Jahrhunderts aus Elfenbein und Holz, die eigens als „Netsuke of Pleasure Boat (Takarabune)“ verzeichnet sind.

Pilgerfahrten zu den sieben Göttern

Bis heute pflegen viele Japaner Anfang Januar die Tradition des Shichifukujin-Meguri, einer Pilgerfahrt zu den sieben Tempeln oder Schreinen, die jeweils einem der Glücksgötter gewidmet sind. Da diese Stätten traditionell nahe beieinander liegen, lassen sich alle sieben oft an einem einzigen Tag besuchen; an jeder Station erhalten Pilger einen Stempel oder eine kleine Figur, die am Ende der Route zu einer vollständigen Sammlung der sieben Götter zusammengesetzt werden kann. Diese Pilgertradition, die vermutlich auf das 18. oder 19. Jahrhundert zurückgeht, erfreut sich bis heute großer Beliebtheit und gilt als Weg, für das ganze Jahr Glück, Gesundheit und Wohlstand zu erbitten.

Die Shichifukujin in der Kunst

Als eines der beliebtesten Motive der japanischen Volkskunst finden sich die Sieben Glücksgötter auf Kakemono, in Holzschnitten, als Keramikfiguren und in der Netsuke-Schnitzkunst gleichermaßen. Besonders zu Neujahr sind Darstellungen des Schatzschiffs mit allen sieben Göttern an Bord ein beliebtes Motiv für die häusliche Dekoration, da sie dem eigenen Zuhause im neuen Jahr Glück und Wohlstand bringen sollen. Die Götter beschäftigten dabei auch die erste Garde der Maler: Das Metropolitan Museum of Art bewahrt Hotei-Hängerollen von Kano Takanobu (1571–1618) aus dem Jahr 1616 und von Ogata Kōrin (1658–1716).

Daikoku und Ebisu: das beliebte Götterpaar

Unter den sieben Göttern nehmen Daikokuten und Ebisu eine besondere Stellung ein: Da sie gemeinsam für die materiellen Grundbedürfnisse – Nahrung, Handel und Wohlstand – zuständig sind, werden sie in der japanischen Volksfrömmigkeit besonders häufig gemeinsam verehrt und dargestellt, gewissermaßen als kompakte Vertretung der gesamten Götterversammlung. In ländlichen Regionen Japans war es lange üblich, beide Gottheiten gemeinsam auf einem kleinen Hausaltar zu verehren, in der Hoffnung auf eine gute Ernte und erfolgreichen Handel zugleich. Interessanterweise war Daikokuten sogar auf den allerersten japanischen Papiergeldscheinen abgebildet, die 1885 ausgegeben wurden – ein deutliches Zeichen für seine tiefe Verankerung im japanischen Alltagsbewusstsein als Symbol des Wohlstands.

Auch die übrigen fünf Götter haben im Laufe der Jahrhunderte eigene, oft sehr spezifische Verehrungstraditionen entwickelt: Bishamonten etwa wurde traditionell besonders von Kriegern verehrt, während Benzaiten bis heute Schutzpatronin von Musikern und darstellenden Künstlern ist. Diese thematische Vielfalt erklärt, warum die Shichifukujin bis heute in nahezu allen Bevölkerungsgruppen Japans – von Geschäftsleuten bis zu Künstlern – auf lebendige Wertschätzung stoßen.

Bei densho.art finden Sie handgemalte Kakemono mit den Sieben Glücksgöttern und ihrem Schatzschiff – ein traditionsreiches Motiv voller Symbolik für Glück, Wohlstand und ein erfülltes Leben. Wer ein Kakemono kaufen möchte, das diese jahrhundertealte Götterversammlung in Tusche und Farbe zeigt, wird in unserer Auswahl japanischer Malerei fündig.

Quellen und Literatur

The Metropolitan Museum of Art: Netsuke of Pleasure Boat (Takarabune), Acc.-Nr. 10.211.816, metmuseum.org.

The Metropolitan Museum of Art: Hotei, Ogata Kōrin, Acc.-Nr. 2015.300.89, metmuseum.org.

The Metropolitan Museum of Art: Hotei, Kano Takanobu, Acc.-Nr. 2006.115, metmuseum.org.

Passend zum Thema: unsere Unikate aus der Kategorie Japanische Malerei / Japanische Mythologie

Jetzt ansehen