Shigaraki-Keramik

Japanische Shigaraki-Keramik

Körniger Ton vom Grund eines urzeitlichen Sees, Feuerrot und Aschegrün aus dem Holzofen, eine Oberfläche, die man mit den Fingern liest: Shigaraki-Keramik ist erdig und ehrlich – Einzelstücke direkt aus Japan.

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Kurz gesagt

Shigaraki-Keramik (信楽焼, Shigaraki-yaki) ist ein traditionell unglasiertes japanisches Steinzeug aus der Region Kōka in der Präfektur Shiga und zählt zu den sechs alten Brennorten Japans. Der feldspatreiche, grobkörnige Ton stammt aus den Ablagerungen eines urzeitlichen Vorläufers des Biwa-Sees und gibt der Keramik ihre raue, fast steinige Oberfläche. Gebrannt wird im Yakishime-Verfahren ohne aufgetragene Glasur; Flamme und Holzasche hinterlassen Feuerrot, Ascheglasur und kleine Einschmelzungen. Bei Densho finden Sie handgefertigte Chawan, Sakegefäße und Vasen aus Shigaraki als Einzelstücke direkt aus Japan.

Herkunft: einer der sechs alten Brennorte

Shigaraki-yaki stammt aus der Gegend um die Stadt Kōka in der Präfektur Shiga, östlich des Biwa-Sees. Shigaraki zählt zu den Six Ancient Kilns (Rokkoyo), den sechs traditionsreichsten Töpferzentren Japans, zu denen auch Bizen, Seto, Tokoname, Echizen und Tamba gehören. Wie Bizen steht Shigaraki für die unglasierte Yakishime-Keramik, bei der die Farbigkeit allein aus dem Zusammenspiel von Ton, Flamme und Asche entsteht.

Ein Ton vom Grund des Ur-Biwa-Sees

Das Besondere an Shigaraki ist sein Ton. Er stammt aus den Sedimenten eines urzeitlichen Vorläufers des heutigen Biwa-Sees, die sich vor etwa vier Millionen bis 400.000 Jahren ablagerten. Der Ton ist reich an Feldspat und enthält oft grobe Quarzeinschlüsse, die der gebrannten Oberfläche ihre raue, körnige Struktur geben; beim Brand treten sie als kleine weiße Einsprengsel hervor. Zugleich ist er hitzebeständig und formstabil und eignet sich deshalb seit jeher auch für große Gefäße – von Vorratstöpfen bis zu Pflanzgefäßen.

Yakishime-Brand und Yōhen: die Sprache des Feuers

Gebrannt wird bei etwa 1.250 bis 1.300 Grad Celsius. Dabei verbinden sich Bestandteile der Holzasche mit der Kieselsäure des Tons zu einer natürlichen Ascheglasur. Je nach Platz im Ofen, Nähe zur Flamme und Sauerstoffzufuhr entstehen sehr unterschiedliche Effekte: leuchtendes Feuerrot, bläulich-graue Verfärbungen und kleine, perlenartige Erhebungen, die „Krabbenaugen“ (Kani no me) oder „Hagelkörner“ (Arare) genannt werden. Wo die Asche dick schmilzt, bildet sich eine grünlich glasige Schicht, in Shigaraki Biidoro genannt. Diese als Yōhen bezeichneten Brenneffekte machen jedes Stück unwiederholbar.

Vom Vorratsgefäß zur Teezeremonie

Die Anfänge reichen in die zweite Hälfte der Kamakura-Zeit (1185–1333) zurück, als in der Region grobe Gebrauchskeramik wie Vorratstöpfe und Mörser entstand. Mit dem Aufblühen der Teezeremonie im 16. Jahrhundert entdeckten Teemeister die raue, ungeschönte Wirkung für sich; sie passte zur Wabi-Sabi-Ästhetik, die bewusst mit glatter, glasierter Importware brach. So entstanden Wasserbehälter (Mizusashi) und Blumenvasen im Shigaraki-Stil. Im 20. Jahrhundert widmeten sich Töpfer wie Takahashi Rakusai III. und Ueda Naokata IV. der Rekonstruktion der alten, hochgebrannten Stücke der Momoyama-Zeit.

Auch glasiert und bemalt

Der Ruf Shigarakis gründet auf der unglasierten Ware, doch in der Region entstehen auch glasierte und bemalte Stücke. Zeitgenössische Töpfer lassen cremige Glasuren in dicken Tropfen über den rauen Scherben laufen oder bemalen die körnige Wandung mit Blüten. Gemeinsam ist ihnen der typische Ton: Selbst unter einer Glasur bleibt die sandige Körnung spürbar, und am unglasierten Fuß zeigt sich der warme Scherben.

Shigaraki erkennen

Achten Sie auf die nie ganz gleichmäßige Körnung der Oberfläche mit weißen Feldspat- und Quarzeinschlüssen, auf warme Ocker-, Rot- und Brauntöne und auf individuelle Brennspuren wie Ascheglasur, Feuerrot oder Krabbenaugen. Diese Spuren entstehen im Ofen und lassen sich bei industriell gefertigter Ware nicht wiederholen. Typisch sind außerdem leicht unregelmäßige, kräftige Formen, die eher an Erde und Stein erinnern als an glattes Geschirr.

Verwendung: Teeschale, Sake und Vase

Heute entstehen in Shigaraki Vasen, Teeutensilien, Sakegefäße und Geschirr für den täglichen Gebrauch. Als Vase wird die poröse, unglasierte Oberfläche besonders geschätzt, weil sie Feuchtigkeit anders reguliert als glasierte Gefäße und Schnittblumen dadurch oft länger frisch hält. Ein Shigaraki-Chawan liegt mit seiner rauen Haptik schwer und warm in der Hand, Tokkuri und Guinomi bringen die erdige Ästhetik an den Tisch. Bekannt ist Shigaraki zudem für seine glückbringenden Tanuki-Figuren, eine volkstümliche Tradition des 20. Jahrhunderts.

Pflege und worauf Sammler achten

Unglasierte Shigaraki-Keramik nimmt Flüssigkeit und damit auch Gerüche auf. Reinigen Sie sie deshalb nur mit heißem Wasser und einem weichen Schwamm, ohne Spülmittel, nie in der Spülmaschine oder Mikrowelle. Stark poröse Stücke werden vor dem ersten Gebrauch gewässert, und nach jedem Gebrauch muss das Gefäß vollständig an der Luft trocknen, bevor es in die Holzbox zurückkehrt. Sammler achten auf die Lebendigkeit der Brennspuren, die Qualität des Tons und die signierte Tomobako als Herkunftsnachweis.

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