Neujahr

Neujahrs-Kakemono: japanische Bilder für den Jahresbeginn

Eine rote Sonne steigt aus dem Morgendunst, darunter schäumen die Wellen, zwei Kraniche fliegen ihr entgegen: Das Neujahrsbild eröffnet im Tokonoma das Jahr – Einzelstücke direkt aus Japan.

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Kurz gesagt

Neujahrs-Kakemono hängen in Japan zu Shōgatsu, von den letzten Dezembertagen bis etwa Mitte Januar: Rollbilder, deren Motiv den Beginn des Jahres ausdrücklich anzeigt. Am häufigsten ist die aufgehende Sonne – über Meereswellen, aus dem Morgendunst steigend oder mit einem Kranichpaar davor. Dazu kommen der sagenhafte Berg Hōrai, die Sieben Glücksgötter als Gruppe und die Schriftzeichen Fukuju für Glück und langes Leben. Kranich, Kiefer oder Fuji allein gelten dagegen als ganzjährige Festbilder. Bei Densho finden Sie Neujahrsbilder als handgemalte Einzelstücke aus Japan, jeweils mit Angaben zu Motiv, Bildträger und Entstehungszeit.

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Shōgatsu: das Rollbild, mit dem das Jahr beginnt

In Japan ist ein Kakejiku kein Wandschmuck auf Dauer, sondern ein Kalender aus Seide und Papier. Im Tokonoma, der Bildnische des Hauses, und im Teeraum wechselt das Rollbild mit der Jahreszeit. Japanische Kakejiku-Händler führen dafür neben Frühling, Sommer, Herbst und Winter eine eigene Abteilung: Shōgatsu (正月), das Neujahr. Gemeint sind die Tage vom Jahresende bis etwa Mitte Januar. Ein Neujahrs-Kakemono ist damit das Bild mit der kürzesten Hängezeit im ganzen Jahreslauf – und das festlichste.

Kyokujitsu: die aufgehende Sonne als Leitmotiv

Das wichtigste Neujahrszeichen ist die aufgehende Sonne, Kyokujitsu (旭日) oder Hinode (日の出). Sie spielt auf Hatsuhinode (初日の出) an, den ersten Sonnenaufgang des Jahres, den man in Japan bis heute an der Küste oder auf einem Berg erwartet. Die Malerei zeigt ihn in wenigen, wiederkehrenden Formen: als roten Sonnenball, der über schäumender Brandung oder stilisierten Wellen aufsteigt, als Sonne, die sich aus dem Morgendunst über einer stillen Landschaft löst, oder als Morgenrot über einer Bergkette. Auch der Fuji mit aufgehender Sonne gehört hierher; der Blick auf den Sonnenaufgang vom Gipfel heißt Goraikō.

Kraniche, Kiefer, Hōrai und die Glücksgötter

Selten steht die Sonne ganz allein. Ein Kranichpaar, das vor der roten Scheibe über das Meer zieht oder auf einer Kiefer sitzt und sich ihr entgegenreckt, verbindet den Jahresanfang mit dem Wunsch nach langem Leben – dem Kranich schreibt das Sprichwort tausend Jahre zu. Ebenso verbreitet sind die Kiefer im ersten Licht, Spatzen in der Morgensonne und das alte Paar von Takasago (高砂) am Meeresufer, über dem die Sonne aufgeht. Ein eigenes Neujahrsmotiv ist der Berg Hōrai, Hōraisan (蓬莱山), die sagenhafte Insel der Unsterblichen im östlichen Meer. Die Sieben Glücksgötter, Shichifukujin (七福神), treten zu Neujahr als Gruppe auf. In der Kalligrafie steht Fukuju (福寿), Glück und langes Leben, als Wunsch für das kommende Jahr.

Wann man das Neujahrsbild aufhängt

Japanische Händler ordnen die Jahreszeiten nach Monaten: Frühling von März bis Mai, Sommer von Juni bis August, Herbst von September bis November, Winter von Dezember bis Februar. Saisonbilder hängt man meist etwa einen Monat vor der eigentlichen Jahreszeit auf, damit das Bild dem Garten vorausgeht. Das Neujahrsbild folgt einem engeren Takt, weil es an einen Termin gebunden ist: Es kommt in den letzten Dezembertagen an die Wand und bleibt bis etwa Mitte Januar. Wer den Wechsel deutlich spüren möchte, zeigt im Dezember zunächst ein Winterbild und tauscht es erst zum Jahreswechsel gegen die aufgehende Sonne.

Was ein Bild zum Neujahrsbild macht

Entscheidend ist nicht das Hauptmotiv, sondern das Zeichen, das den Jahresbeginn anzeigt. Ein Kranich vor der aufgehenden Sonne ist ein Neujahrsbild, ein Kranich allein ist es nicht. Ebenso machen erst die Sonne am Horizont, das Morgenrot oder ein Titel wie Kyokujitsu auf der Box aus Wellen, Kiefer oder Fuji ein Neujahrsmotiv. Ein roter Sonnenball, der frei am Himmel steht, reicht dafür nicht; erkennbar sein muss, dass die Sonne aufgeht. Trägt ein Bild zugleich einen deutlichen Jahreszeitenmarker wie Schnee, Pflaumenblüte oder rotes Ahornlaub, gilt dieser: Eine Sonne über verschneiter Landschaft ist ein Winterbild, kein Neujahrsbild.

Festbilder: zu Neujahr beliebt, aber an kein Datum gebunden

Viele Motive, die man mit dem japanischen Neujahr verbindet, führen die Händler als Festbilder, Keiji-gake (慶事掛け), oder als ganzjährige Bilder, Nenjū-gake (年中掛け). Dazu zählen Kranich und Schildkröte allein, die Kiefer ohne Sonne, die Drei Freunde Shōchikubai (松竹梅), das Takasago-Paar ohne Sonnenaufgang, der Fuji ohne weiteres Zeichen und auch der Rote Fuji. Ebenso gehören einzelne Glücksgötter wie Ebisu, Daikoku oder Jurōjin hierher, außerdem Daruma, Tiger und Drache sowie Zen-Kalligrafie ohne Jahreszeitenwort, etwa das einzelne Zeichen Kotobuki (寿). Diese Bilder dürfen zu Neujahr hängen und tun es in Japan oft. Sie sind aber nicht darauf beschränkt und stehen deshalb nicht hier – auf dieser Seite finden Sie nur Bilder mit eigenem Neujahrszeichen.

Im Wechsel mit Winter und Frühling

Das Neujahrsbild liegt mitten im Winter und unterbricht ihn für wenige Wochen. Eine mögliche Folge an derselben Wand: im Dezember eine Schneelandschaft oder Nandina mit roten Beeren, zum Jahreswechsel die aufgehende Sonne, ab Mitte Januar wieder ein Winterbild, etwa Narzissen oder ein Vogel auf verschneitem Ast, und im Februar die erste Pflaumenblüte als Vorbote des Frühlings. Wer nur ein einziges Neujahrsbild besitzt, erlebt seine Wirkung gerade deshalb so stark, weil es elf Monate im Jahr in der Box ruht.

Aufbewahren und worauf Sammler achten

Weil das Neujahrsbild nur kurz hängt, verbringt es den größten Teil des Jahres aufgerollt. Gerollt wird locker und ohne Zug, verwahrt in einer Holzbox aus Kiri (Paulownia) an einem Ort ohne Heizungsluft und ohne starke Schwankungen der Luftfeuchte; als Faustregel gelten etwa 50 bis 60 Prozent. Gerade im Januar ist trockene Heizungsluft der größte Feind eines Rollbilds, deshalb gehört es nicht über einen Heizkörper. Beim Kauf lohnt der Blick darauf, ob die Sonne wirklich als aufgehend zu lesen ist: Horizont, Wellen, Morgendunst oder ein Boxtitel geben darüber Auskunft.

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