Ganzjährig

Ganzjährige Kakemono: japanische Rollbilder für jede Jahreszeit

Ein Kreis in einem einzigen Pinselzug, ein Tiger, der aus dem Bambus tritt, zwei Kraniche unter der Kiefer: Diese Bilder kennen keinen Kalender und dürfen bleiben, wenn draußen die Jahreszeit wechselt – Einzelstücke direkt aus Japan.

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Kurz gesagt

Ganzjährige Kakemono kaufen: Diese Rollbilder, Shikishi und Makuri zeigen Motive, die in Japan an keine Jahreszeit gebunden sind und darum das ganze Jahr im Tokonoma hängen dürfen. Japanische Händler führen sie als eigene Gruppe, Nenjū-gake (年中掛け). Dazu gehören Zen-Kalligrafie ohne Jahreszeitenwort und der Ensō, Tuschelandschaften ohne Blüte, Laub oder Schnee, Tiger und Drache als Schutzbilder, Kranich, Kiefer, Fuji und Koi als Glücksmotive sowie Daruma. Wer nur ein einziges Rollbild besitzen möchte, ist hier richtig. Bei Densho finden Sie ganzjährige Kakemono als Einzelstücke aus Japan, vom schlichten Ensō bis zum Drachen in den Wolken.

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Warum japanische Händler eine Gruppe für das ganze Jahr führen

Ein Kakejiku (掛軸) wechselt in Japan mit der Jahreszeit, doch nicht jedes Bild ist an eine Jahreszeit gebunden. Kakejiku-Händler ordnen ihr Sortiment deshalb nicht nur nach Frühling, Sommer, Herbst und Winter, sondern führen eine eigene Gruppe für Bilder, die immer hängen dürfen: Nenjū-gake (年中掛け) oder Fudan-gake (普段掛け), sinngemäß „das ganze Jahr hängen“ und „für alle Tage hängen“. Daneben stehen die Festbilder, Keiji-gake (慶事掛け), die zu Glückwünschen, Hochzeiten oder runden Geburtstagen passen und ebenfalls keiner Jahreszeit angehören. Der Händler Kōbidō zählt zu den ganzjährigen Bildern ausdrücklich Tuschelandschaften, Bambus mit Spatz, die Vier Edlen, Falke, Tiger und Drache.

Zen-Kalligrafie und Ensō ohne Jahreszeitenwort

Die größte Gruppe bilden Schriftrollen. Ein Zen-Spruch, der keine Jahreszeit nennt, ist nach japanischen Händlern als ganzjähriges Bild besonders beliebt. Als Beispiele nennen sie Nichinichi kore kōjitsu (日日是好日, „Jeder Tag ist ein guter Tag“) und Wa kei sei jaku (和敬清寂), die vier Grundwerte des Teewegs: Harmonie, Achtung, Reinheit, Stille. Ebenso wenig an eine Zeit gebunden sind Sprüche wie Buji kore kinin (無事是貴人), Kissako (喫茶去, „Trink eine Schale Tee“) oder Mu ichimotsu (無一物, „nicht ein einziges Ding“). Dazu kommt der Ensō (円相), der in einem Zug gemalte Kreis, allein oder mit einer kurzen Aufschrift.

Sansui: Tuschelandschaften ohne Jahreszeitenzeichen

Die Tuschelandschaft, Sansui (山水, „Berg und Wasser“), steht in der Liste des Händlers an erster Stelle der ganzjährigen Motive – allerdings nur, solange sie kein Jahreszeitenzeichen trägt. Nebel zwischen Felsen, eine Hütte am Hang, eine Pagode auf der Klippe, ein Fluss mit Bergdorf: Solche Bilder zeigen keine Blüte, kein farbiges Laub und keinen Schnee und lassen sich darum zu jeder Zeit hängen.

Tiger und Drache: Bilder zum Schutz und zum Glück

Beim Tiger, Tora (虎), sind sich die japanischen Quellen einig: Er gilt als Bild, das Unheil abwehrt (魔除け, mayoke), und ein Händler nennt ihn das typische Schutzbild, das man das ganze Jahr hängt. Der Drache, Ryū (龍), steht für Glück und Segen (吉祥, kisshō) und ist ebenso wenig an eine Jahreszeit gebunden. In dieser Kategorie finden sich Tiger im Gras, Drachen zwischen Wolken und Wellen, ein Drache über dem Fuji oder ein zorniger Drachenkopf.

Kranich, Schildkröte, Kiefer, Fuji und Koi

Kranich und Schildkröte, Tsuru und Kame (鶴亀), stehen für ein langes Leben. Ein japanischer Händler hält ausdrücklich fest, dass ein Bild nur mit Kranich oder Schildkröte ein ganzjähriges Bild ist. Die Kiefer, Matsu (松), bleibt immer grün und wird allein überwiegend ganzjährig geführt; mit Bambus und Pflaume bildet sie Shōchikubai (松竹梅), ein Festbild, das man auch zu Neujahr hängt. Den Fuji ohne Jahreszeitenzeichen beschreibt ein weiterer Händler als Motiv, das das ganze Jahr hängen kann. Der Karpfen, Koi (鯉), zählt ebenfalls zu den Glücksbildern, allen voran der Karpfen, der den Wasserfall hinaufschwimmt.

Daruma, Buddhabilder und die Vier Edlen

Auch religiöse Bilder kennen keine Jahreszeit. Daruma (達磨), der Begründer des Zen, erscheint in kräftiger Tusche; japanische Händler führen ihn unter den ganzjährigen Bildern. Dazu gehören Kannon und andere Buddhadarstellungen, Abschriften des Herzsutra, Mönche sowie Kanzan und Jittoku, das Paar der Zen-Legende mit Schriftrolle und Besen. Eine eigene Gruppe bilden die Vier Edlen, Shikunshi (四君子): Pflaume, Orchidee, Bambus und Chrysantheme.

Woran man erkennt, dass ein Bild kein Saisonbild ist

Den Ausschlag gibt der Saisonmarker, nicht das Hauptmotiv. Ein Jahreszeitenbild trägt ein Zeichen, das einen bestimmten Abschnitt des Jahres benennt: eine bestimmte Blüte, rotes Ahornlaub, Schnee, den Vollmond über Gräsern. Fehlt ein solches Zeichen, bleibt das Motiv ganzjährig. Umgekehrt wird ein ganzjähriges Motiv mit Marker zum Saisonbild: Der Tiger im Schnee ist ein Winterbild, der Fuji hinter Kirschblüten ein Frühlingsbild, der Kranich vor der aufgehenden Sonne ein Neujahrsbild. Bei Kalligrafie entscheidet der Spruch: Nennt er Schnee, Blüte oder Mond, gehört er zur Jahreszeit des Spruchs.

Die sichere erste Wahl und die Brücke zwischen den Jahreszeiten

Wer nur ein einziges Rollbild besitzt, ist mit einem ganzjährigen Motiv auf der sicheren Seite: Es passt im Januar wie im Juli und muss nicht mit der Natur Schritt halten. Kommen später Saisonbilder hinzu, wird es zum Bild für die Zwischenzeiten. Japanische Händler rechnen die Jahreszeiten in Blöcken von drei Monaten und hängen ein Saisonbild etwa einen Monat vor Beginn der Jahreszeit auf. Zwischen zwei Bildern bleiben dennoch oft Wochen, in denen das alte schon abgenommen ist und das neue noch zu früh käme. Dann übernimmt eine Zen-Kalligrafie oder eine Sansui-Landschaft.

Pflege, Wechsel und worauf Sammler achten

Auch ein ganzjähriges Bild sollte nicht ohne Pause hängen. Licht und trockene Raumluft setzen Papier, Seide und Montierung auf Dauer zu, und ein Bild, das einige Wochen geruht hat, wirkt beim nächsten Aufhängen wieder frisch. Bei Kalligrafie lohnt ein Blick auf die Boxaufschrift, die oft den Spruch nennt: Sie verrät, ob er ein Jahreszeitenwort enthält. Bei Tieren und Landschaften prüft man auch die Bildränder, denn schon ein paar Schneeflocken oder rote Blätter machen aus einem ganzjährigen Motiv ein Saisonbild.

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