Frühling

Frühlings-Kakemono: japanische Rollbilder von der Pflaumenblüte bis zur Glyzinie

Ein Pflaumenzweig am noch kahlen Holz, ein Buschsänger im Geäst, dann Kirschblüten über dem Fluss und Glyzinien im Mai: Frühlingsbilder holen die Blüte ins Haus, bevor sie draußen beginnt – Einzelstücke direkt aus Japan.

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Kurz gesagt

Frühlings-Kakemono kaufen: Rollbilder, deren Motiv in Japan den Frühling anzeigt – die Pflaumenblüte (Ume) mit dem Japanbuschsänger, die Kirschblüte (Sakura), Weide und Schwalbe, Glyzinie und Pfingstrose. Japanische Händler hängen sie von März bis Mai, die frühen Ume-Bilder schon ab Februar, denn ein Jahreszeitenbild kommt etwas vor der Jahreszeit an die Wand. Dazu gehören Hina-Puppen zum Mädchenfest, Kriegerbilder zum Knabenfest und Kalligrafien wie „Frühlingswind“. Bei Densho finden Sie Kakemono, Shikishi und Makuri mit Frühlingsmotiv als Einzelstücke aus Japan.

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Warum Rollbilder in Japan mit der Jahreszeit wechseln

Ein Kakejiku (掛軸) bleibt in Japan selten das ganze Jahr an seinem Platz. Im Tokonoma, der Bildnische des Empfangsraums, und erst recht im Teeraum wird es gewechselt, sobald die Jahreszeit umschlägt – das Rollbild zeigt an, wo im Jahr man gerade steht. Japanische Rollbildhändler ordnen ihr Sortiment deshalb nach Hängezeiten: Saisonbilder für die vier Jahreszeiten, ganzjährige Bilder, Festbilder und Bilder für Neujahr. Diese Kategorie versammelt die Frühlingsbilder: Kakemono, Shikishi und Makuri, deren Motiv in Japan dem Frühling zugeordnet wird.

Ume und Uguisu: das erste Frühlingsbild

Am Anfang steht die Pflaumenblüte, Ume (梅). Sie öffnet sich am kahlen, dunklen Zweig, wenn es draußen noch kalt ist, und gilt in der Hängepraxis als Bild des Vorfrühlings für Februar und März. Seit jeher wird sie mit dem Japanbuschsänger gemalt, dem Uguisu (鶯), dessen Gesang in Japan den Frühling ankündigt; „Ume ni Uguisu“ (梅に鶯) ist eine feste Bildformel. Daneben erscheint sie mit Spatzen oder Elstern, als Zweig in der Vase oder über einem Dorf.

Sakura, Weide und Schwalbe

Auf die Pflaume folgt die Kirschblüte, Sakura (桜), das Motiv des vollen Frühlings. Japanische Händler hängen Kirschbilder ab Ende Februar bis in den April. Gemalt wird der einzelne Zweig mit Singvögeln, der blühende Baum am Fluss, das Bergdorf unter Blütenwolken oder eine Schönheit unter herabhängenden Zweigen – Szenen, die an die Kirschblütenschau, Hanami (花見), denken lassen. In dieselben Wochen gehört die junge Weide, Yanagi (柳), mit ihren hellgrünen Ruten, oft zusammen mit der Schwalbe, Tsubame (燕).

Glyzinie, Pfingstrose und die Frühlingswiese

Den späten Frühling tragen die Glyzinie, Fuji (藤), deren Blütentrauben im April und Mai hängen, und die Strauchpfingstrose, Botan (牡丹), die üppigste Blüte im Jahreslauf der Malerei. Dazu kommen kleinere Zeichen: Schmetterlinge über Päonien, Fasane unter dem Kirschbaum, Spatzen zwischen Schachtelhalmsprossen (土筆), Löwenzahn und Veilchen, die Pfirsichblüte (桃) in einem Gedicht. Landschaften gehören dazu, wenn sie den Frühling ausdrücklich zeigen, etwa mit rosa Blütenbäumen oder einer Aufschrift wie 湖山春暁, „Frühlingsmorgen über See und Bergen“.

Feste und Kalligrafie im Frühling

Zwei Jahresfeste fallen nach der japanischen Hängepraxis in den Frühling. Zum Mädchenfest am 3. März zeigt man Hina-Puppen (雛), etwa einen Monat vor dem Fest bis zum Festtag. Zum Knabenfest am 5. Mai hängen Bilder von Kriegern in Rüstung und Helm, von Anfang April bis zum Fest. Im Kalender der Haiku-Jahreszeitenwörter steht das Knabenfest schon im Frühsommer; die Händler zählen es aber zum Frühling, und Densho folgt ihnen. Unter den Kalligrafien gehören Schriftzüge wie „Frühlingswind“ (春風) hierher, Gedichte über Frühlingsregen und Blüten und der Teespruch „Der duftende Wind kommt von Süden“ (薫風自南来), den der Teeraum im Mai zeigt.

Wann man ein Frühlingsbild aufhängt

Densho folgt dem Monatsschema eines großen japanischen Rollbildhändlers: Frühling ist März bis Mai, Sommer Juni bis August. Ein Jahreszeitenbild kommt jedoch etwas früher an die Wand, als die Jahreszeit draußen beginnt – japanische Händler raten zu etwa einem Monat Vorlauf. Für den Frühling heißt das: die Pflaume ab Februar, die Kirsche ab März, Glyzinie und Pfingstrose im April und Mai.

Was ein Bild zum Frühlingsbild macht – und was nicht

Entscheidend ist der Saisonmarker, nicht das Hauptmotiv. Ein Fuji mit blühender Kirsche im Vordergrund ist ein Frühlingsbild, ein Fuji ohne solches Zeichen hängt das ganze Jahr. Ebenso werden Kraniche zum Frühlingsbild, wenn erste Pflaumenblüten neben ihnen stehen, und ein Falke, wenn er über blühenden Pfingstrosen herabstößt. Bewusst nicht in dieser Kategorie stehen Motive, die in Japan als ganzjährig oder als Festbilder gelten: Kranich und Schildkröte, die Kiefer allein, Bambus mit Spatz, Tiger und Drache, Daruma und Tuschelandschaften ohne Jahreszeitenzeichen. Auch der glückverheißende Dreiklang aus Kiefer, Bambus und Pflaume, Shōchikubai (松竹梅), und die Vier Edlen gehören nicht dazu, obwohl in beiden eine Pflaume blüht. Ein Einzelbild, das alle vier Jahreszeiten zugleich zeigt, gehört keiner an.

Übergänge zu Winter und Sommer

Die Pflaume führen manche Händler schon unter Winter; Densho ordnet sie dem Frühling zu, solange kein Schnee im Bild liegt – die Pflaume im Schnee ist ein Winterbild, ebenso die Winterpfingstrose unter Strohschutz. Die Weide zählt je nach Begleiter zu beiden Seiten: mit Schwalbe zum Frühling, mit Reiher, Regen oder Glühwürmchen zum Sommer. Paare und Folgen, deren Rollen verschiedenen Jahreszeiten angehören, etwa Vier-Jahreszeiten-Folgen, erscheinen in jeder Jahreszeit, die sie abdecken.

Wechseln, verwahren, sammeln

Kommt im Mai das Sommerbild an die Reihe, wird das Frühlingsbild trocken mit einem weichen Pinsel abgestaubt, locker und ohne Zug aufgerollt und in seiner Holzbox verwahrt, fern von Sonne, Heizung und kalten Außenwänden. Sammler achten bei Frühlingsbildern auf einen eindeutigen Marker: Ob eine rote Blüte Pflaume oder Kamelie ist, entscheidet zwischen Frühling und Winter. Oft nennt die Aufschrift auf der Holzbox das Motiv oder ausdrücklich den Frühling, etwa mit dem Zeichen 春. Eine solche Box gehört zum Werk und sollte bei ihm bleiben.

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