Sommer

Sommer-Kakemono: japanische Sommerbilder mit Wasserfall, Iris und Hortensie

Ein Wasserfall, der durch grünes Ahornlaub stürzt, Iris am Teich, Ayu im klaren Bach: Sommerbilder holen die Kühle des japanischen Sommers in den Raum, während draußen die Hitze steht – Einzelstücke direkt aus Japan.

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Kurz gesagt

Sommer-Kakemono sind Rollbilder, deren Motiv in Japan für die Monate Juni bis August steht – Bilder, die nach Wasser, Schatten und frischem Grün aussehen. Dazu gehören der Wasserfall unter grünem Ahorn, Ayu im klaren Bergbach, Iris und Hortensie, Prunkwinde, Baumhibiskus und Lotos, der Reiher im Schilf und der Eisvogel am Wasser. Hier stehen Kakemono, Shikishi und Makuri, deren Bild die Jahreszeit eindeutig zeigt; ganzjährige Motive wie Karpfen, Fuji oder Kranich ohne Jahreszeitenzeichen gehören nicht dazu. Gehängt wird nach japanischer Praxis etwa einen Monat vor der Jahreszeit. Bei Densho finden Sie Sommerbilder als Einzelstücke aus Japan.

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Warum das Rollbild im Sommer wechselt

In Japan bleibt ein Kakejiku (掛軸) nicht das ganze Jahr an seinem Platz. Im Tokonoma, der Bildnische des Wohnraums, und erst recht im Teeraum zeigt das Rollbild an, welche Zeit des Jahres gerade ist – es wirkt wie ein Kalender, der nicht Tage zählt, sondern Stimmungen. Japanische Händler teilen ihr Sortiment deshalb in Saisonbilder, Kisetsu-gake (季節掛け), und Bilder für das ganze Jahr ein. Dem Sommer fällt dabei eine eigene Aufgabe zu: Die Monate von Juni bis August sind in Japan schwül und heiß, und das Bild an der Wand soll dem Raum etwas von dieser Schwere nehmen. Gezeigt wird vor allem, was nach Wasser, Schatten und frischem Grün aussieht.

Wasserfall und grüner Ahorn: Kühle als Bildgedanke

Das häufigste Sommermotiv ist der Wasserfall, Taki (滝). Händler führen ihn unter den Sommerbildern und hängen ihn vor allem im Juli und August; in der Teepraxis gehört zum August ein Schriftzug, der einen Wasserfall dreitausend Jō tief stürzen lässt (瀧直下三千丈). Oft begleitet ihn grüner Ahorn, Aokaede (青楓): dasselbe Laub, das im Herbst rot leuchtet, hier noch frisch und durchscheinend. Auf diesen Unterschied kommt es an, denn ein Wasserfall unter rotem Ahorn ist ein Herbstbild. Zur selben Gruppe gehören Flusslandschaften mit Fischern, die Ayu (鮎), kleine Süßwasserfische der klaren Bergbäche, und das nächtliche Kormoranfischen Ukai (鵜飼) im Fackelschein. Auch Kalligrafie kann den Sommer tragen, wenn der Spruch ihn nennt, etwa die Sommerwolken über den Bergspitzen (夏雲多奇峰).

Iris, Hortensie, Prunkwinde: die Blumen des Sommers

Bei den Pflanzen eröffnet die Iris den Sommer. Ayame, Kakitsubata und Hanashōbu (菖蒲, 杜若, 花菖蒲) blühen im Mai und Juni. Es folgt die Hortensie, Ajisai (紫陽花), die Blume der Regenzeit, meist in kühlem Blau gemalt und im Juni und Juli gezeigt. Im Hochsommer kommen die Prunkwinde, Asagao (朝顔), deren Name „Morgengesicht“ bedeutet, der Baumhibiskus Fuyō (芙蓉), die Lilie, Yuri (百合), und die Clematis, Tessen (鉄線). Der Lotos, Hasu (蓮), ist Sommerblume und buddhistisches Sinnbild zugleich und begleitet in Japan das Totenfest Obon.

Tiere am Wasser: Reiher, Eisvogel, Libelle

Die Sommertiere der Malerei leben fast alle am oder im Wasser. Der weiße Reiher, Sagi (鷺), steht im Schilf oder unter blühendem Fuyō; der Eisvogel, Kawasemi (カワセミ), wartet am Pfahl oder auf einem Lotosblatt. Libellen, Tonbo (蜻蛉), schweben über Iris und Teich, Zikaden, Semi (蝉), sitzen in der Hängeweide. Glühwürmchen, Hotaru (蛍), und der Rundfächer, Uchiwa (団扇), deuten in Figurenbildern einen Sommerabend an.

Wann man Sommerbilder aufhängt

Japanische Händler rechnen den Sommer von Juni bis August und raten, ein Saisonbild etwa einen Monat vor der Jahreszeit aufzuhängen. Ein Bild mit Ayu oder Eisvogel darf also schon im Mai an die Wand. Innerhalb des Sommers wandert das Motiv mit dem Wetter: Im Mai und Juni passt die Iris, im Juni und Juli die Hortensie, im Hochsommer folgen Wasserfall, Prunkwinde und Fuyō. Wer im Haiku-Kalender nachschlägt, findet manche Angaben verschoben: Dort zählen Prunkwinde und Baumhibiskus bereits zum Herbst, weil der alte Kalender den Herbst um den 7. August beginnen lässt. Für die Hängepraxis und für diese Kategorie gilt die Ordnung der Händler.

Der Marker entscheidet, nicht das Hauptmotiv

Ob ein Bild in diese Kategorie gehört, entscheidet sein Jahreszeitenzeichen. Ein Reiher ist ein Sommerbild, solange er im Schilf steht; im Schnee wird er zum Winterbild. Die Weide allein ist ein Frühlingsmotiv und wird erst mit Reiher, Regen oder Glühwürmchen zum Sommerbild. Bewusst nicht in dieser Kategorie stehen Motive, die in Japan das ganze Jahr hängen dürfen: der Karpfen, auch wenn er einen Wasserfall hinaufschwimmt, der Fuji ohne Jahreszeitenzeichen, Kranich, Tiger und Drache, der Bambus und Tuschelandschaften ohne Marker. Die Schwalbe gilt als Frühlingsbote, und Bilder zum Knabenfest am 5. Mai rechnen Händler ebenfalls zum Frühling, obwohl das Fest im Haiku schon zum Sommer zählt.

Kombinieren und wechseln

Wer zwei Rollbilder besitzt, verbindet ein helles Sommermotiv mit einem dunkleren aus Herbst oder Winter und wechselt zweimal im Jahr. Mit drei Bildern lässt sich der Sommer selbst teilen: Iris oder Hortensie für den Frühsommer, Wasserfall oder Prunkwinde für den Hochsommer. Den Übergang kann auch ein ganzjähriges Motiv übernehmen, etwa eine Zen-Kalligrafie für die Wochen zwischen den Jahreszeiten. Sets aus mehreren Rollen mit verschiedenen Jahreszeiten erscheinen in jeder ihrer Jahreszeiten und lassen sich übers Jahr der Reihe nach hängen.

Pflege beim Wechsel und worauf Sammler achten

Gerade im Sommer lohnt Sorgfalt: Direkte Sonne bleicht Farben aus, hohe Luftfeuchte begünstigt Stockflecken. Als Faustregel gelten 50 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte. Abgenommen wird das Bild am besten an einem trockenen Tag, locker und ohne Zug aufgerollt und in seiner Holzbox aus Kiri verwahrt; gereinigt wird nur trocken mit einem weichen Pinsel. Beim Kauf lohnt der Blick auf das Bild selbst und nicht nur auf den Titel: Ein als Pfingstrose bezeichnetes Bild kann sich an den Blättern als Baumhibiskus zu erkennen geben und gehört dann in den Sommer. Aufschriften wie 初夏 (Frühsommer) oder 七月 (siebter Monat) datieren ein Bild oft, sind aber nicht immer ein Hinweis auf das Motiv: Ein 中秋 neben der Signatur kann schlicht das Maldatum sein.

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