Kakemono

Kakemono – japanische Rollbilder

Eine Bahn aus Seide und Papier, ein Bild im Zentrum, ein Stab, der alles glatt zieht: Das Kakemono bringt Landschaft, Blüte oder Kalligrafie an Ihre Wand und wechselt mit den Jahreszeiten – Einzelstücke direkt aus Japan.

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Kurz gesagt

Ein Kakemono (掛物), auch Kakejiku genannt, ist das japanische Hängerollbild: eine Malerei oder Kalligrafie auf Papier oder Seide, die ein Montierer mit Washi hinterklebt, in Seidenbrokat fasst und zwischen eine Leiste oben und einen Rundstab unten spannt. Anders als ein gerahmtes Bild ist es zum Wechseln gemacht – im Tokonoma oder an einer ruhigen Wand gezeigt und danach aufgerollt in seiner Holzbox verwahrt. Bei Densho finden Sie handgemalte Kakemono als Einzelstücke aus Japan, jeweils mit Angaben zu Bildträger, Jikusaki und Entstehungszeit.

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Kakemono: das japanische Hängerollbild

Kakemono (掛物), auch Kakejiku (掛軸) genannt, ist das vertikale Hängerollbild Japans und bis heute die bekannteste Form, in der japanische Malerei und Kalligrafie gezeigt werden. Es ist fast immer ein Hochformat: Die Montierung führt den Blick von der oberen Leiste über die Stoffbahnen ins Bildfeld und weiter hinab zum Rundstab. Als Faustregel messen vollständig montierte Rollbilder etwa 170 bis 200 Zentimeter in der Höhe bei 40 bis 60 Zentimetern Breite; die Malerei selbst nimmt davon oft nur die Hälfte ein.

Von der Sutrenrolle zum Tokonoma

Die Kunst der Montierung kam mit dem Buddhismus aus China nach Japan. Sie begann mit dem Herrichten von Sutrenrollen; aus Bildern buddhistischer Gottheiten, die zur Andacht aufgehängt wurden, entwickelte sich das Hängerollbild. In der Muromachi-Zeit (1333–1573) wurde es üblich, chinesische und zenbuddhistische Malerei und Kalligrafie in Brokate zu fassen. Mit dem Shoin-Baustil entstand zugleich das Tokonoma, die Bildnische des Empfangsraums, und gab dem Rollbild einen festen Ort. Als später die Teezeremonie aufblühte, prägte auch der Geschmack der Teemeister die Montierung.

Der Aufbau: vom Honshi bis zum Jikusaki

Im Zentrum sitzt das Honshi, das eigentliche Werk auf Papier oder Seide. Darüber und darunter liegen die Ichimonji, zwei schmale Querstreifen, traditionell aus dem kostbarsten Stoff der Montierung. Um beides legt sich das Chūmawashi, die innere Einfassung; oben und unten schließen die ruhigen Felder Ten (Himmel) und Chi (Erde) an. Bei vielen Montierungen hängen zwei Stoffbänder, die Fūtai, vom oberen Stab herab. Die obere Leiste trägt die Aufhängeschnur, der untere Rundstab zieht die Bahn glatt. Seine sichtbaren Endstücke, die Jikusaki, bestehen aus Holz, Knochen, Horn, Lack, Keramik oder bei jüngeren Montierungen aus Kunststoff.

Hyōgu: die zweite Handschrift am Rollbild

Dass aus einem bemalten Blatt ein Rollbild wird, ist das Werk des Montierers, des Hyōgu-shi. Er hinterklebt Bild und Stoffe in mehreren Lagen mit Washi und Weizenstärkekleister und wählt die Stoffe so, dass sie untereinander harmonieren und das Motiv hervorheben – ein kühles Blaugrau zu einer Tuschlandschaft, ein warmes Goldocker zu Päonien. Montierungen folgen festen Typen: Die verbreitete Familie des Yamato-hyōgu kennt drei Grade der Förmlichkeit, Shin, Gyō und Sō; das Bunjin-hyōgu der Literaten umschließt das Bild ringsum mit einem einzigen Stoff. Weil der Kleister wasserlöslich bleibt, lässt sich eine Montierung nach Generationen ablösen und erneuern. Die Einfassung eines alten Bildes ist deshalb häufig jünger als das Bild selbst.

Handgemalt, Kopie oder Druck

Auf dem Markt für Rollbilder liegen drei verschiedene Dinge nebeneinander. Das handgemalte Unikat existiert genau einmal. Die Werkstatt- oder Schulkopie ist ebenfalls von Hand gemalt, folgt aber einer berühmten Vorlage – in Japan über Jahrhunderte Teil der Ausbildung und kein Makel, solange sie als Kopie bezeichnet wird. Daneben gibt es Reproduktionen wie Holzschnitte, Lichtdrucke, Siebdrucke und Digitaldrucke. Handgemalte Tusche sitzt unterschiedlich dick auf dem Grund, läuft an den Rändern minimal in die Fasern und zeigt am Strichende, wo der Pinsel abgehoben wurde; ein Druck bleibt gleichmäßig und zerfällt unter der Lupe oft in ein Raster. Bei Densho ist die Technik jedes Rollbilds angegeben, Siebdrucke sind als solche ausgewiesen.

Tokonoma, Wohnraum und der Wechsel der Jahreszeiten

Traditionell hängt ein Kakemono im Tokonoma, dem Ehrenplatz des Raums, oft begleitet von einer Blume im Gefäß. Es wurde nie auf Dauer gezeigt, sondern je nach Jahreszeit oder Anlass ausgetauscht: im Frühjahr ein blühender Pflaumenzweig, im Hochsommer eine Wasserfalllandschaft, im Winter Tusche auf leerem Grund. Drei bis vier Wochen am Stück gelten als angemessen, danach ruht das Bild aufgerollt in seiner Box. In einer westlichen Wohnung braucht ein Rollbild keine Nische, wohl aber ruhige Wandfläche um sich herum.

Aufhängen und Pflege

Gehängt wird ein Kakemono, solange es noch aufgerollt ist: Die Schnur kommt zuerst über den Haken, dann lässt man die Bahn langsam abrollen und begleitet den Rundstab mit beiden Händen. Fuchin, paarige Gewichte an den Stabenden, halten das Bild im Luftzug ruhig. Direkte Sonne, Heizungsluft und kalte Außenwände schaden; als Faustregel gelten etwa 50 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte. Gereinigt wird nur trocken mit einem weichen Pinsel, denn Nässe löst den Kleister. Aufgerollt wird locker und ohne Zug, verwahrt in einer Holzbox aus Kiri (Paulownia).

Worauf Sammler achten

Leichte Vergilbung, ein nachgedunkelter Seidengrund und kleine Stockflecken am Rand der Einfassung sind bei Stücken aus Meiji-, Taishō- oder Shōwa-Zeit normal. Genauer hinsehen sollte man bei Flecken mitten im Bildfeld, bei brüchiger Seide entlang der Rollkanten und bei einer Einfassung, die sich großflächig löst. Sorgfalt in der Montierung zeigt sich an geraden Nähten, einem mittig sitzenden Bildfeld und an den Jikusaki: Knochen, gedrechseltes Holz, Keramik oder Lack sprechen für eine aufwendige Montierung, Kunststoff eher für eine einfachere. Liegt eine vom Künstler beschriftete Holzbox bei, ein Tomobako, gehört sie zum Objekt und sollte nie davon getrennt werden.

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