Taishō-Zeit

Japanische Kunst der Taishō-Zeit

Chrysanthemen im Herbstwind, Wasserfälle auf Seide, Vögel im blühenden Pflaumenzweig: Die kurze Taishō-Zeit bewahrte die alten Motive und malte sie mit neuer Feinheit – handgemalte Einzelstücke direkt aus Japan.

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Kurz gesagt

Die Taishō-Zeit (大正, 1912–1926) ist die kurze Epoche zwischen Meiji- und Shōwa-Zeit, benannt nach dem Regierungsnamen des Kaisers Taishō, der „große Rechtschaffenheit“ bedeutet. Wirtschaftlicher Aufschwung nach dem Ersten Weltkrieg, eine wachsende Stadtkultur und mehr politische Freiheit prägten diese Jahre. Die traditionelle Malerei öffnete sich behutsam westlichen Einflüssen, ohne ihre handwerklichen Grundlagen aufzugeben. Bei Densho finden Sie handgemalte Kakemono und Figuren, die wir in die Taishō-Zeit datieren, als Einzelstücke direkt aus Japan.

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Vierzehn Jahre zwischen Meiji und Shōwa

Die Taishō-Zeit begann 1912 mit dem Tod des Meiji-Kaisers und der Thronbesteigung seines Sohnes, der den Regierungsnamen Taishō annahm – „große Rechtschaffenheit“. Sie endete bereits 1926 mit seinem Tod und zählt damit zu den kürzesten Epochen der modernen japanischen Geschichte. Weil der Kaiser gesundheitlich stark eingeschränkt war, verlagerte sich das politische Gewicht zum Parlament. Man spricht von der Taishō-Demokratie, einer Phase der Öffnung zwischen der autoritäreren Meiji-Zeit und der zunehmend nationalistischen frühen Shōwa-Zeit.

Wohlstand, Stadtleben und neue Käufer

Japan nahm am Ersten Weltkrieg auf Seiten der Entente teil, ohne dass auf japanischem Boden gekämpft wurde, und profitierte wirtschaftlich von der gestiegenen internationalen Nachfrage. In Tokio und Ōsaka prägten Cafés, Kaufhäuser und moderne Architektur das Stadtbild, Frauen gewannen eine bis dahin unbekannte eigene Kaufkraft. Für Kunst und Kunsthandwerk bedeutete das eine breitere Käuferschicht: Hochwertige Malerei und Keramik fanden nun auch im bürgerlichen Haushalt ihren Platz.

Taishō-Romantik und traditionelle Malerei

In Illustration, Werbegrafik, Textilmustern und Buchgestaltung entstand die sogenannte Taishō-Romantik, eine Verbindung japanischer Bildsprache mit Einflüssen von Jugendstil und Art déco, zart und oft melancholisch im Ton. Die traditionelle Malerei setzte die Auseinandersetzung mit dem Westen, die in der Meiji-Zeit begonnen hatte, behutsam fort. Gemalt wurde weiterhin mit Pinsel und Tusche auf Seide oder Papier, montiert als Kakemono, und das Repertoire reichte von Blumen und Vögeln (Kachō-ga) über Landschaften bis zur Kalligrafie.

Was aus dieser Epoche bei uns zu finden ist

Den Schwerpunkt bilden handgemalte Rollbilder. Auf Seide gemalt sind etwa Blumen-und-Vogel-Bilder wie Chrysanthemen mit Singvogel oder Spatzen am Pflaumenzweig, dazu Landschaften mit Wasserfällen und Bergwäldern im Nebel. Auf Papier finden sich Tiermotive, alte Pflaumenbäume und kraftvolle Kalligrafie. Daneben gibt es einzelne Figuren aus Bronze, Messing oder Kutani-Porzellan. Nicht jede davon stammt aus Japan: Bei einigen Bronzefiguren ist die chinesische Herkunft ausdrücklich in der Beschreibung vermerkt.

Das Kantō-Erdbeben von 1923

Ein tiefer Einschnitt der Epoche war das Große Kantō-Erdbeben, das 1923 große Teile Tokios und Yokohamas verwüstete und mehrere hunderttausend Menschenleben forderte. Mit Bauten und Werkstätten gingen auch zahlreiche Kunstsammlungen in den folgenden Bränden verloren. Diese Erfahrung schärfte das Bewusstsein für die Vergänglichkeit kultureller Güter und trug indirekt zur späteren Wertschätzung traditioneller Handwerkskunst im 20. Jahrhundert bei.

Wie ein Stück der Taishō-Zeit zugeordnet wird

Die Epochenangabe ist eine Einschätzung des Objekts selbst: Bildträger, Farben, Zustand und Alterung von Papier oder Seide, bei Figuren die Patina. Signatur und Siegel geben dagegen nur wieder, was auf dem Bild steht. Deshalb kann ein Rollbild dieser Zeit den Namen eines Malers tragen, der lange vorher gestorben ist – das Kopieren nach Vorlagen gehörte jahrhundertelang zur Ausbildung. Die Montierung aus Seidenbrokat sagt wenig über das Alter, denn Rollbilder werden etwa alle hundert bis zweihundert Jahre neu montiert. Lässt sich ein Stück nicht eindeutig einordnen, steht in der Beschreibung auch einmal „Taishō- oder Shōwa-Zeit“.

Rollbilder im Wohnraum und im Tokonoma

Ein Kakemono ist zum Wechseln gemacht: Es wird einige Wochen gezeigt und danach aufgerollt in seiner Holzbox verwahrt. Viele Motive sind jahreszeitlich gebunden – Pflaumenblüten kündigen den Frühling an, Chrysanthemen gehören zum Herbst und stehen für Langlebigkeit. Im Tokonoma hängt das Bild tief, weil man es sitzend betrachtet; in einer westlichen Wohnung wirkt es stimmiger, wenn die Bildmitte etwa auf Augenhöhe liegt.

Pflege von Papier, Seide und Montierung

Direktes Sonnenlicht bleicht Farben und Seide unwiderruflich aus. Ideal ist eine ruhige Innenwand mit indirektem Licht, fern von Heizung und kalter Außenwand. Als Faustregel gelten etwa 50 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte: Darunter wird das Papier spröde, oberhalb von etwa 65 Prozent drohen Schimmel und Stockflecken. Staub nehmen Sie ausschließlich trocken mit einem weichen Pinsel ab, denn Feuchtigkeit löst den Stärkekleister der Montierung. Aufgerollt wird locker und ohne Zug.

Worauf Sammler achten

Wichtiger als ein berühmter Name ist die Frage, ob von Hand gemalt wurde. Eine Pinsellinie beginnt mit einem Druckpunkt, wird dünner und zieht an den Rändern minimal in die Fasern; ein Druck zeigt gleichmäßige Farbdichte und unter der Lupe oft ein Raster. Ein echt abgedrücktes Siegel aus Zinnoberpaste liegt leicht erhaben auf und hat unregelmäßige Ränder. Achten Sie außerdem auf den beschriebenen Zustand und darauf, ob eine Holzbox dazugehört. Drucke kennzeichnen wir als Drucke.

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