Watanabe Shikō (渡辺始興): ein Kyōtoer Maler zwischen den Schulen
Watanabe Shikō (渡辺始興, 1683–1755) wurde in Kyōto geboren und starb dort 1755. Sein Rufname war Kyūma, sein Name wird gelegentlich auch Motooki gelesen. Er gehört zu den wenigen Malern seiner Zeit, die mehrere Traditionen gleichrangig beherrschten, statt sich an eine einzige Schule zu binden.
Im Dienst der Familie Konoe
Seit etwa 1708 stand Shikō im Dienst von Konoe Iehiro, einem der einflussreichsten Hofadligen Kyōtos und selbst ein bedeutender Kalligraf und Kenner. In diesem Umfeld entstand auch eine Kopie der Bildrollen zur Legende des Kasuga-Schreins in zwanzig Rollen, die sich heute im Yōmei Bunko befindet, der Sammlung der Familie Konoe.
Von der Kanō-Schule zu Kōrin
Seine Ausbildung erhielt Shikō in der Kanō-Schule, deren Tuschmalerei er sein Leben lang pflegte. Später geriet er unter den Einfluss Ogata Kōrins und übernahm den dekorativen, flächigen Stil der Rinpa-Malerei; er gilt als der einzige Maler, der die Kōrin-Tradition in Kyōto weitertrug. Zu seinen bekannten Werken gehören ein Paar Stellschirme mit Schwertlilien im Cleveland Museum of Art, Schiebetürbilder im Tempel Daikaku-ji in Kyōto mit Feldarbeit und springenden Hasen sowie Wandbilder im Konbu-in in Nara.
Vögel nach der Natur
Besonders folgenreich waren Shikōs Naturstudien. Seine Bildrolle mit genau beobachteten Vögeln, heute im Mitsui Memorial Museum in Tokio, wurde von Maruyama Ōkyo kopiert und gilt als Wegbereiter der Shasei-Malerei, der Malerei nach der Natur, die im späten 18. Jahrhundert die Kyōtoer Kunst veränderte.
Eine Signatur, viele Hände
Museen unterscheiden bei Shikō sorgfältig zwischen gesicherten Werken, Zuschreibungen und Bildern in seiner Art. Eine Signatur nennt deshalb zuerst den Namen, auf den sich ein Rollbild beruft; ob es eigenhändig ist, lässt sich erst im Vergleich mit gesicherten Werken beurteilen. Gerade diese Vielfalt der Überlieferung zeigt, wie stark sein Name in der Kyōtoer Malerei nachwirkte.













