Ratgeber

Kakemono-Sets: Paare, Dreiersätze und Jahreszeiten-Folgen richtig wählen und hängen

Vierteiliges Kakemono-Set der vier Jahreszeiten: vier Rollbilder mit Legendenszenen nebeneinander

Manche Rollbilder kommen nicht allein. In ihrer Holzbox liegen zwei, drei oder vier Rollen nebeneinander, in denselben Stoff gefasst, von derselben Hand signiert, und erst zusammen ergeben sie, was der Maler im Sinn hatte: Frühling und Sommer, Tag und Nacht, eine Figur zwischen zwei Landschaften. Solche Kakemono-Sets sind seltener als Einzelrollen und werfen eigene Fragen auf. Muss man sie zusammen aufhängen? Wie viel Wand braucht ein Paar? Und woran erkennt man überhaupt, dass zwei Bilder zusammengehören? Dieser Ratgeber geht die Antworten der Reihe nach durch.

Was ist ein Kakemono-Set?

Ein Kakemono-Set ist eine Gruppe von zwei oder mehr Rollbildern, die als Einheit gedacht, gemalt und montiert wurden. Im Japanischen heißt eine solche Gruppe Tsuifuku (対幅). Das zweite Zeichen, Fuku (幅), ist zugleich das Zählwort für Rollbilder, und so benennen die Fachbegriffe schlicht die Anzahl: Sōfuku (双幅) ist das Paar, Sanpukutsui (三幅対) der Dreiersatz, Yonpukutsui (四幅対) die Folge aus vier Rollen. Auch Sätze aus sechs, acht oder zwölf Bildern kommen vor.

Entscheidend ist der innere Zusammenhang. Die Bilder eines Sets teilen ein Thema, das sich erst über mehrere Rollen entfaltet: zwei Jahreszeiten, ein Tier in zwei Haltungen, eine Erzählung in mehreren Szenen. Ein Set ist deshalb etwas anderes als zwei Rollbilder, die zufällig zueinander passen. Wer ein japanisches Rollbild kaufen möchte und dabei auf ein Set stößt, erwirbt eine Komposition, die über die einzelne Bildfläche hinausreicht.

Woran Sie erkennen, dass Rollbilder zusammengehören

Das sicherste Zeichen ist die Montierung. Rollbilder gleicher Größe, die als Set entstanden sind, werden traditionell in denselben Stoff gefasst: gleicher Brokat, gleiche Ichimonji-Streifen, gleiche Stabenden, gleiche Gesamtlänge. Hängen zwei Rollen nebeneinander und laufen ihre Stoffkanten auf einer Linie, ist das kein Zufall. Hinzu kommen Signatur und Siegel: Bei einem Set trägt in der Regel jede Rolle beides, und zwar von derselben Hand.

Der zweite Hinweis ist die Box. Sets werden meist in einer gemeinsamen Holzbox überliefert, die für genau diese Zahl von Rollen gebaut ist. Die Aufschrift auf dem Deckel nennt häufig Maler, Thema und Stückzahl – eine Angabe wie 二幅 bedeutet „zwei Rollen“, 三幅 „drei Rollen“. Schließlich die Bilder selbst: Bei Paaren wenden sich Figuren, Tiere oder Zweige oft einander zu, sodass sich aus der Blickrichtung ergibt, welche Rolle rechts und welche links hängt.

Paare: zwei Bilder im Dialog

Das Paar ist die häufigste Form des Sets. Es lebt vom Gegenüber: Frühling und Herbst, Mond und Sonne, Bewegung und Ruhe. Ein altes Beispiel ist das Paar aus Drache und Tiger, in dem zwei Kräfte einander die Waage halten. In der Vogel- und Blumenmalerei sind es oft zwei Pflanzen verschiedener Monate, jede mit ihrem Vogel; in der Landschaft zwei Stimmungen desselben Flusses bei Tag und bei Nacht.

Für die Wohnung ist das Paar die dankbarste Variante. Es lässt sich als Ganzes zeigen, ohne eine ganze Wand zu beanspruchen, und ebenso gut im Wechsel: erst die eine Rolle, einige Wochen später die andere. Wer ein japanisches Kunstwerk als Geschenk sucht, etwa zur Hochzeit oder zum Einzug, findet im Paar außerdem eine naheliegende Form – zwei Bilder, die zusammengehören und doch jedes für sich bestehen.

Dreiersätze: die Mitte gibt den Ton an

Der Dreiersatz, Sanpukutsui, hat eine andere Ordnung als das Paar. Er ist auf eine Mitte hin gebaut: ein Hauptbild, flankiert von zwei Seitenbildern, die ihm antworten. Das klassische Vorbild ist die Bodhisattva-Gestalt Kannon zwischen Affe und Kranich, eine Zusammenstellung, die in Japan seit dem Mittelalter immer wieder aufgegriffen wurde. Später trat an die Stelle der Heiligenfigur häufig ein Dichter, ein Glücksgott oder eine Landschaft, während links und rechts Vögel, Blüten oder Karpfen die Stimmung weitertragen.

Dass die Mitte den Vorrang hat, zeigt mitunter auch die Montierung: Ist das Mittelbild größer als die Seitenbilder, erhält es den feineren Stoff. Historisch war der Dreiersatz die repräsentative Form schlechthin – in den Empfangsräumen der Muromachi-Zeit hingen Rollbilder üblicherweise zu dritt in der Bildnische. In einer heutigen Wohnung wirkt ein Dreiersatz am stärksten, wenn alle drei Rollen gemeinsam hängen, denn die Seitenbilder sind auf das Mittelbild hin komponiert.

Vier Jahreszeiten und längere Folgen

Die Folge der vier Jahreszeiten ist der Inbegriff des mehrteiligen Sets. Bilder der Jahreszeiten, Shiki-e (四季絵), gehören zu den ältesten Themen der japanischen Malerei, und die Ordnung vom Frühling bis zum Winter wurde früh zu einem Mittel, mehrere Bilder zu einer Reihe zu verbinden. Auf vier Rollen verteilt, ergibt das ein Set, das wie ein Kalender funktioniert: Kirschblüte, Wasserfall, Herbstmond, Schnee. Manche Folgen erzählen dabei zusätzlich Legenden oder zeigen berühmte Orte, jeder in seiner bevorzugten Jahreszeit.

Noch umfangreicher sind Sätze aus acht Rollen, wie sie für die „acht Ansichten“ einer Landschaft gemalt wurden, und Folgen der zwölf Monate. Für alle gilt dieselbe Leserichtung: In Japan liest man von rechts nach links, eine Jahreszeitenfolge beginnt deshalb traditionell rechts mit dem Frühling. Ob Sie sich in der eigenen Wohnung daran halten, ist Geschmackssache. Wichtig ist nur, dass die Reihenfolge stimmt und kein Sommer zwischen Herbst und Winter gerät.

Zusammen hängen oder einzeln zeigen?

Beides ist richtig, und beides hat Tradition. Gemeinsam gehängt, entfaltet ein Set seine ganze Komposition – dafür braucht es allerdings Wand. Ein montiertes Rollbild ist als Faustregel 40 bis 60 Zentimeter breit. Ein Paar verlangt mit etwas Abstand also gut anderthalb Meter ruhige Fläche, ein Dreiersatz über zwei Meter, eine Vierer-Folge knapp drei. Hängen Sie alle Rollen auf dieselbe Höhe, sodass die oberen Leisten eine Linie bilden, und lassen Sie zwischen ihnen eine gute Handbreit Luft. Zu weit auseinander zerfällt das Set in Einzelbilder, zu eng gedrängt stoßen die Stabenden aneinander.

Die zweite Möglichkeit ist der Wechsel, und für Jahreszeiten-Sets ist sie die naheliegende. Dann hängt immer nur eine Rolle, im Frühjahr die erste, im Sommer die zweite, und das Set begleitet Sie durch das Jahr. Das entspricht dem japanischen Alltag, in dem die Bildnische eines Wohnhauses meist nur ein einzelnes Rollbild aufnimmt. Wer zu Hause einen Tokonoma einrichten möchte, ist mit einem Jahreszeiten-Set deshalb gut ausgestattet: Die Frage, welches Bild als nächstes kommt, beantwortet sich von selbst.

Aufbewahren: Ein Set bleibt zusammen

Die wichtigste Regel im Umgang mit einem Set ist einfach: Trennen Sie es nicht. Die Rollen gehören in ihre gemeinsame Box, auch wenn gerade nur eine davon an der Wand hängt. Die übrigen bleiben aufgerollt darin liegen, und die Box wartet auf die Rückkehr der fehlenden. Einzelne Rollen eines Sets zu verschenken oder getrennt zu lagern, ist der sicherste Weg, es aufzulösen, und ein einmal getrenntes Set findet praktisch nie wieder zusammen.

Bewahren Sie auch auf, was der Box beiliegt: den beschrifteten Deckel, Schutzpapiere, gelegentlich einen Brief oder ein Etikett des Vorbesitzers. Bei Sets nennt die Aufschrift oft die Themen der einzelnen Rollen und ihre Reihenfolge und ist damit die beste Gedächtnisstütze, die es gibt. Ansonsten gelten dieselben Regeln wie für jedes Rollbild: locker aufrollen, liegend lagern, dunkel und bei gleichmäßiger Luftfeuchte, und jede Rolle ein- bis zweimal im Jahr für einige Stunden lüften.

Worauf Sie beim Kauf eines Sets achten

Prüfen Sie zuerst die Vollständigkeit. Nennt die Box drei Rollen, sollten drei darin liegen; bei einer Jahreszeitenfolge müssen es vier sein. Sehen Sie sich dann jede Rolle einzeln an, denn die Bilder eines Sets altern nicht immer gleich: Die Rolle, die am häufigsten hing, kann stärker nachgedunkelt sein als die anderen. Das ist kein Mangel, sondern die Spur ihres Gebrauchs, sollte Ihnen aber vor dem Kauf bewusst sein. Achten Sie außerdem darauf, ob es sich um handgemalte Unikate handelt oder um Drucke nach berühmten Vorlagen. Beides gibt es als Set, und ein seriöses Angebot sagt klar, was es ist.

Messen Sie schließlich Ihre Wand, bevor Sie sich entscheiden, und überlegen Sie, ob Sie das Set gemeinsam oder im Wechsel zeigen wollen. Und falls Sie einer Einzelrolle begegnen, die erkennbar einmal Teil eines Paares war: Sie ist ein vollwertiges Bild. Viele Sets wurden im Lauf der Generationen geteilt, und eine gute Rolle verliert nichts dadurch, dass ihr Gegenstück heute anderswo hängt.

Ein Bild, das auf sein Gegenstück wartet

Der Reiz eines Sets liegt in dem, was zwischen den Rollen geschieht. Ein Sperling auf dem einen Bild, ein Weidenzweig auf dem anderen, und dazwischen ein Stück Wand, über das der Blick hin- und herwandert. Oder eine einzelne Rolle, die im Mai an der Wand hängt, während die drei anderen in der Box darauf warten, dass ihre Zeit kommt. Ein Set verlangt etwas mehr Platz und etwas mehr Sorgfalt als ein einzelnes Rollbild – und gibt dafür einen Zusammenhang zurück, den kein Einzelbild haben kann.

Bei Densho finden Sie neben einzelnen Kakemono auch zusammengehörige Rollbilder – handgemalte Einzelstücke, die wir einzeln in Japan ankaufen und, wo überliefert, mit ihrer gemeinsamen Holzbox weitergeben. Und wenn Sie lieber selbst kombinieren: Unter unseren Kakemono finden Sie für jede Jahreszeit Motive, aus denen sich nach und nach eine eigene Folge zusammenstellen lässt. Beginnen Sie mit dem Bild, das zum jetzigen Monat passt.

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