Kanō Tanyū (狩野探幽): Maler im Dienst des Shōguns
Kanō Tanyū (狩野探幽, 1602–1674), mit Eigennamen Morinobu (守信), war der bestimmende Maler der frühen Edo-Zeit. Er wurde in Kyōto als ältester Sohn Kanō Takanobus geboren und war ein Enkel Kanō Eitokus, des großen Wandmalers der Momoyama-Zeit. Gestorben ist er in Edo, dem heutigen Tokio, wohin er den Schwerpunkt seines Schaffens verlegt hatte.
Von Kyōto nach Edo: die Kajibashi-Linie
1617 wurde Tanyū offizieller Maler des Tokugawa-Shōgunats. 1621 erhielt er ein Anwesen vor dem Kajibashi-Tor in Edo und begründete damit die Kajibashi-Linie der Kanō-Schule. Seine Stellung spiegelt sich in den Ehrentiteln: 1638 wurde er zum Hōgen ernannt, 1662 zum Hōin, dem höchsten Rang, den ein Maler erreichen konnte.
Burgen, Tempel und Schreine
Zu seinen großen Aufträgen gehören die Wandbilder der Burg Nijō in Kyōto, darunter Kiefern und Falken im Ninomaru-Palast, Arbeiten für die Burg Nagoya, die Burg Edo und den Tempel Daitoku-ji sowie die Bildrollen zur Gründungsgeschichte des Tōshōgū in Nikkō von 1640. Daneben war Tanyū ein gefragter Kenner: Werke, die man ihm zur Begutachtung vorlegte, hielt er in verkleinerten Skizzen fest. Diese „Tanyū shukuzu“ sind heute eine wichtige Quelle für Bilder, die zu seiner Zeit noch erhalten waren.
Linie und Leere: ein Stil für die Edo-Zeit
Tanyū variierte die Stärke der Tuschlinie fein und ließ bewusst viel leeren Raum. Aus der kraftvollen Pracht der Momoyama-Zeit wurde so eine leichte, elegante Malweise, die zur Grundlage der Malerei der Edo-Zeit wurde. Er beherrschte großformatige Farbmalerei auf Goldgrund ebenso wie Tuschmalerei und Motive im Yamato-e-Stil. Auch den Fuji malte er mehrfach; als bedeutendstes dieser Bilder gilt ein Fuji-Bild von 1667 im Präfekturmuseum Shizuoka.
Was eine Tanyū-Signatur verrät
Seine Signaturen änderten sich mit Rang und Lebensalter: Ab 1635 zeichnete er als Tanyūsai, nach 1638 mit dem Titel Hōgen, nach 1662 als Hōin, oft mit Angabe seines Alters. Die Form der Signatur hilft deshalb bei der Datierung, belegt allein aber nicht die eigene Hand. Viele Bilder in Museumssammlungen gelten als Tanyū zugeschrieben oder als Werke nach seinem Vorbild. Ein Rollbild mit seinem Namen ist daher zuerst ein Zeugnis seiner Wirkung – und erst nach genauer Prüfung ein eigenhändiges Werk.










