Meiji-Zeit

Japanische Kunst der Meiji-Zeit

Kraniche vor dem Fuji, ein Drache in Tuschewolken, ein grimmig blickender Daruma aus Kutani-Porzellan: Kunst der Meiji-Zeit erzählt vom Aufbruch eines Landes, das seine Traditionen bewahrte – Einzelstücke direkt aus Japan.

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Kurz gesagt

Die Meiji-Zeit (明治時代, Meiji jidai, 1868–1912) begann mit der Meiji-Restauration, als der Kaiser die tatsächliche Regierungsgewalt zurückerlangte und Japan sich nach über zwei Jahrhunderten der Abschottung rasant dem Westen öffnete. In der Malerei grenzte sich die traditionelle Nihonga bewusst von der westlichen Ölmalerei (Yōga) ab, während japanisches Kunsthandwerk in Europa den Japonismus auslöste. Viele Maler führten die Formensprache der Kanō-Schule weiter. Bei Densho finden Sie Kunst der Meiji-Zeit – handgemalte Kakemono und Daruma-Figuren aus Bizen-Keramik und Kutani-Porzellan – als Einzelstücke direkt aus Japan.

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Die Meiji-Restauration: ein Land wechselt die Richtung

Die erzwungene Öffnung Japans durch die USA im Jahr 1853 beendete die jahrhundertelange Abschließung des Landes und führte 1868 zum Sturz des Tokugawa-Shogunats. Kaiser Mutsuhito erlangte die tatsächliche Regierungsgewalt zurück und nahm den Regierungsnamen Meiji an, „erleuchtete Regierung“. In wenigen Jahrzehnten übernahm Japan westliche Verwaltung, Recht, Industrie und ein neues Schulsystem und stieg bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zur mächtigsten Nation Asiens auf. Der Wandel erfasste Kleidung, Architektur und bildende Kunst gleichermaßen.

Nihonga und Yōga: ein Ringen um Identität

Mit der Ölmalerei, Yōga genannt, kamen westliche Techniken und Ausdrucksformen ins Land. Als bewusste Antwort darauf entstand der Begriff Nihonga, „japanisches Bild“: Künstler beriefen sich ausdrücklich auf die einheimische Tradition mit ihren Pigmenten, Bildträgern und Techniken. Diese Debatte prägte die japanische Kunstwelt über Jahrzehnte. Dass die überlieferten Bildthemen dabei nicht verschwanden, zeigt sich an Rollbildern dieser Zeit: Kraniche unter Kiefern, der Fuji über Wolkenbändern, Karpfen in der Strömung, Drachen in Tuschewolken, Vögel und Blumen im Wechsel der Jahreszeiten.

Die Kanō-Tradition lebt weiter

Viele Maler der Meiji-Zeit waren noch in der Formensprache der Kanō-Schule ausgebildet, die Japans offizielle Malerei vom 15. bis ins 19. Jahrhundert bestimmt hatte. Wer um 1900 eine Kanō-Landschaft malte, tat genau das, wozu er ausgebildet worden war. Manche Rollbilder tragen deshalb Stempel älterer Kanō-Meister, ohne von ihnen selbst zu stammen – als Verbeugung vor der Schule, in deren Linie sich der Maler stellte. Neben Landschaften und Tierbildern entstanden Darstellungen schöner Frauen (Bijinga), Zen-Motive wie Bodhidharma oder Kanzan und Jittoku, Kalligrafien und Sets aus mehreren Rollbildern, etwa zu den vier Jahreszeiten.

Japonismus und Weltausstellungen

Mit der Öffnung gelangten japanische Holzschnitte, Lackarbeiten, Textilien und vor allem Keramik und Porzellan in großem Umfang nach Europa und in die USA. Auf den Weltausstellungen in Wien 1873 und Paris 1878 und 1889 präsentierte Japan sein Kunsthandwerk einem internationalen Publikum, und der Japonismus beeinflusste Impressionismus und Jugendstil nachhaltig. Für Keramikzentren wie Arita und Kutani bedeutete das eine zweite, kräftige Exportblüte. Zugleich verloren viele kleine Töpferöfen mit dem Ende der Feudalherrschaft ihre Schutzherren und mussten sich am Markt behaupten.

Daruma-Figuren aus Bizen und Kutani

Unter den Figuren der Meiji-Zeit ist ein Motiv besonders häufig: Bodhidharma, in Japan Daruma genannt, der als Begründer des Zen-Buddhismus gilt. Er wird meist mit durchdringendem Blick, zusammengezogenen Brauen und über den Kopf gezogener Kapuze dargestellt – Ausdruck seiner legendären neunjährigen Meditation. Daruma gilt in Japan als Glücksbringer und Sinnbild für Durchhaltevermögen. Figuren aus Bizen-Keramik sind unglasiert und erdfarben; der Holzofenbrand hinterlässt dunkle Schattierungen, die den Ausdruck vertiefen. Figuren aus Kutani-Porzellan tragen dagegen eine kräftige Aufglasurmalerei, häufig in leuchtendem Rot mit Gold, gelegentlich auch in strahlendem Weiß.

Woran man Meiji-Stücke erkennt

Bei Rollbildern verrät der Bildträger am meisten: Papier und Seide werden wärmer im Ton, die Tusche zieht in die Fasern. Synthetische Anilinfarben sind in Japan ab den 1860er Jahren nachweisbar – kräftige Farbtöne sind auf einem Meiji-Bild daher kein Widerspruch. Die Montierung sagt wenig, weil sie im Lauf der Zeit erneuert wird; Rollenenden (Jikusaki) aus Knochen oder Holz gehören zur klassischen Ausstattung. Signatur und Entstehungszeit sind zwei getrennte Angaben, die auseinanderfallen können. Bei Figuren sitzen Signatur oder Stempel meist an der Unterseite; ein Stempel bezeichnet oft die Werkstatt und nicht zwingend die einzelne Hand.

Verwendung und Pflege

Ein Kakemono wird traditionell im Tokonoma gezeigt und dort tief gehängt, weil man es sitzend betrachtet. In einer westlichen Wohnung wirkt es stimmiger, wenn die Bildmitte etwa auf Augenhöhe liegt. Es hängt jeweils einige Wochen, bei indirektem Licht und gleichmäßiger Luftfeuchte, und wird dann locker aufgerollt in seiner Holzbox verwahrt; Staub entfernen Sie nur trocken mit einem weichen Pinsel. Eine Daruma-Figur braucht einen ruhigen, sicheren Platz – auf einem Regal, in einer Nische oder neben einem Rollbild mit Zen-Motiv. Holzbox und Beilagen bleiben in jedem Fall beim Stück.

Worauf Sammler achten

Ein sorgfältig gemaltes Rollbild der Meiji-Zeit führt eine große Tradition fort und hängt als Unikat an der Wand, nicht als Reproduktion. Entscheidend ist, dass von Hand gemalt wurde: Pinsellinien setzen mit Druck an und laufen aus, ein echt abgedrücktes Siegel liegt leicht erhaben auf. Achten Sie darauf, dass Zustand und Zuschreibung offen beschrieben sind. Bei Figuren lohnt der Blick auf Brand, Glasur oder Bemalung und auf den Ausdruck des Gesichts – darin liegt die Handschrift der Werkstatt.

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